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10.08.2015

Offenes Jugendzentrum "Sale für alle" im Rennen um Sozialpreis

Wiener Studenteninitiative bietet u.a. Freizeitgestaltung, Lernbetreuung und Frauen-Treffpunkt.

Studenten, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich in ihrem Studentenheim ein offenes Jugendzentrum vor allem für Kinder mit Migrationshintergrund betreiben: Dieses besondere Konzept verfolgt "Sale für Alle" in Wien-Landstraße. Die vor sechs Jahren von 14 jungen Erwachsenen im Geist Don Boscos gegründete Initiative ist mittlerweile auf 50 freiwillige Mitarbeiter angewachsen. Aktuell ist sie im Rennen um den "Bank Austria-Sozialpreis", für den bis 6. September online abgestimmt werden kann.

 

"Sale für Alle" ging von Bewohnern des Studentenheims der Salesianer Don Boscos in der Hagenmüllergasse aus, die zuvor Volontariatserfahrungen in weltweiten Salesianer-Projekten gesammelt hatten. Der Wunsch, etwas für Kinder und Jugendliche in der Umgebung des Studentenheimes zu machen, wurde von der Ordensgemeinschaft gerne angenommen. Mit einer Startfinanzierung und der Möglichkeit, Räume der Gemeinschaft für das Projekt zu nutzen, legten die Salesianer den Grundstein für die Umsetzung.

 

"Wir haben am Anfang einmal geschaut, ob die Idee überhaupt realistisch ist. Wir wussten ja nicht, ob überhaupt Kinder kommen würden und ob es uns Spaß machen würde", erinnert sich Emanuel Huemer, einer der Gründer von "Sale für Alle" und heute Geschäftsführer des Projekts, im "Kathpress"-Gespräch. Auch war unklar, ob die Initiative auf Widerstand treffen würde. Doch die Sorgen waren unbegründet: Zuspruch in der Nachbarschaft gab es schon ab Beginn im Mai 2009. Die Öffnungszeiten für die Betreuung mit Spiel- und Bastelaktivitäten, anfangs auf einen Nachmittag pro Woche beschränkt, wurden seither stetig erweitert. Unter dem Titel "Bildung für Alle" wird mittlerweile auch eine Lernbetreuung angeboten.

 

Bildungsnachteile gemeinsam überwinden

"Sale für Alle" richtet sich an 6- bis 14-Jährige aus der Umgebung des "Salesianum"-Studentenheims. "Viele der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Das bedeutet, dass sie von klein an mit vielen Sprachen konfrontiert sind und internationale Erfahrungen gemacht haben", erzählt Huemer. Oft seien damit Herausforderungen wie häufige Wohnortswechsel, kinderreiche Familien und das Fehlen einer Nachmittagsbetreuung verbunden. Aber auch in schulischen Angelegenheiten stünden viele Kinder vor Problemen: Ihre Eltern kennen oft ein anderes Schulsystem als das österreichische und haben mit den Abläufen und Methoden Schwierigkeiten.

 

"Viele von uns Studenten sind angehende Lehrer, da hat sich das gut gefügt", meint Huemer zur Gründung von "Bildung für Alle", der Lern- und Hausaufgabenbetreuung. Dabei legt das "Sale für Alle"-Team viel Wert auf eine gute Atmosphäre. Lernpausen, die mit gesunder Jause und Gruppenspielen gefüllt werden, sollen helfen, das Lernen möglichst angenehm zu machen. Auch, dass dank der vielen Ehrenamtlichen wenige Schüler auf einen Betreuer kommen, ist ein großer Vorteil.

 

Ältere Jugendliche, Frauen und Flüchtlinge

Die nächste Erweiterung des Projekts folgte, als die Kinder nach und nach aus der Altersgrenze herauswuchsen. "Die Kids wurden älter und durften nicht mehr zu 'Sale für Alle' kommen. Aber wir hatten schon gute Beziehungen zu ihnen aufgebaut, also haben wir dann 'Sale für Youth' gegründet, das sich an 14- bis 18-Jährige wendet", erklärt Huemer. In dem Projekt für die Jugendlichen wird weniger gespielt, dafür wird ihnen bei Themen wie etwa der Jobsuche geholfen. "Aber wir spielen auch oft Fußball mit ihnen."

 

Mit Benefizkonzerten, "Sale für Frauen" und der Zeitung "Gschichtldruckerei" wuchs das Angebot weiter. "Wir haben erkannt, dass eine Begegnungszone eine große emanzipatorische Kraft sein kann, deswegen haben wir mit 'Sale für Frauen' einen Treffpunkt für die Frauen in der Umgebung geschaffen, damit sie aus ihren eingefahrenen Grüppchen herauskommen", erklärt Huemer das Konzept. In der "Gschichtldruckerei" wollen die Studenten das, was sie auf der Universität in der Theorie lernen, mit ihren Erfahrungen aus dem Projekt in Verbindung bringen.

 

Das neueste Projekt des Vereins ist der Versuch, über das Fußballspielen in Kontakt mit den 300 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zu kommen, die in der in unmittelbarer Nähe befindlichen ehemaligen Zollwachschule auf der Erdbergerstraße untergebracht wurden. "Die Jugendlichen sind dort eher abgeschottet und haben nichts zu tun. Das kann sehr zermürbend sein, deswegen wollen wir Begegnung schaffen", so Huemer.

 

Spiel, Begegnung und Partizipation

Im Zentrum der Aktivitäten des Vereins, der dem Dachverband für Jugendarbeit der Salesianer angehört, steht die Pädagogik des Ordensgründers, Johannes Bosco (1815-1888). "Im Spiel, das die Hauptaktivität der Kinder ist - die Art, auf die sie sich die Welt erschließen - wollen wir Begegnung schaffen", erklärt Huemer. Spielmöglichkeiten gibt es im "Sale für alle" en masse: Tischfußball und -tennis, Werken, Basteln, Gesang und Tanz, aber auch Wasserschlachten, Landhockey oder Frisbee vertreiben die Langeweile.

 

Betreuer und Animatoren sind 50 Freiwillige, aufgeteilt in sieben Teams - "Studenten, darunter auch ein paar junge Salesianer", erklärt der Vereinsleiter. Von Einsatzwilligen wird gefordert, sich für ein Semester zu verpflichten, sei dies doch für den Beziehungsaufbau zu den Kindern wichtig. Der anfängliche Plan, nur mit Ehrenamtlichen zu arbeiten, musste mittlerweile adaptiert werden - Geschäftsführer Huemer teilt nun eine 40-Stunden-Stelle mit fünf anderen Vereinsmitgliedern, was auch für die Koordination der Teams und die pädagogische Projektleitung gilt.

 

Partizipation wird auch gegenüber den Kindern groß geschrieben. "Sollten wir den Sozialpreis gewinnen, würden sich das 'Sale für alle'-Team mit den Kindern zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was wir damit bei unserem Projekt verändern können", so Huemer. Als Hauptpreis winken 7.000 Euro.