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14.08.2015

Landau: Bürgermeister können Not in Traiskirchen beenden

Appell des Caritas-Präsidenten: Quartiere schaffen und sich der Öffnung von Bundeseinrichtungen nicht verwehren.

Die Caritas hat einen dringenden Appell an alle Gemeinden Österreichs gerichtet, Flüchtlinge aufzunehmen und damit die Not in Traiskirchen zu beenden. Was derzeit im Erstaufnahmezentrum des Bundes vor sich gehe, sei eine "humanitäre Niederlage ersten Ranges", besonders da die Not der vielen obdachlosen Flüchtlinge verhindert werden könnte, erklärte Caritas-Präsident Michael Landau am Freitag, 14. August 2015 in einer Aussendung. Anlass gab ein am Freitag veröffentlichter Bericht von Amnesty International, der Traiskirchen als "Menschenrechtsskandal" bezeichnet.

 

„Traiskirchen geht uns alle an“

Auch Caritas-Präsident Michael Landau äußerte sich betroffen zur humanitären Lage in der Erstaufnahmestelle, von der er sich auch selbst vor Ort vergewissert habe. Manche der Kinder dort hätten ihre Habseligkeiten in Müllsäcken verschnürt bei sich getragen, andere unter Bäumen geschlafen. "Ich habe alte Menschen getroffen, die auf Karton am Boden lagen. Männer und Frauen, die versucht haben, Häusernischen notdürftig mit Decken zu verhängen, um so ein letztes Stück Privatsphäre zu haben und um sich vor Hitze und Regen zu schützen", berichtete der Caritas-Präsident.

 

"Traiskirchen geht uns alle an", nahm Landau sowohl Bund, Länder und Gemeinden als auch die Vertreter der Kirchen und Zivilgesellschaft in die Pflicht. Jeder sollte die jeweils eigenen Möglichkeiten zur Entlastung der Situation in den Blick fassen, nicht die Frage der Verantwortlichkeit der Misere. Vor allem liege es jedoch an den Bürgermeistern und Gemeinden, die Obdachlosigkeit von Flüchtlingen zu verhindern - "sei es indem man zusätzliche Quartiere schafft oder sich der Öffnung von Bundeseinrichtungen nicht verwehrt". Um für feste Quartiere zu sorgen, müsse auch die Öffnung leerstehender Kasernen endlich in Angriff genommen werden, denn: "Zelte sind im nahenden Herbst und Winter keine Option!", so der Caritas-Präsident.

 

Angebot unterstützend tätig zu sein

Erneut wies Michael Landau auf das Angebot der Caritas, in Traiskirchen selbst unterstützend tätig zu sein. Weiter aufrecht sei das Angebot ans Innenministerium, eine Sachspendenausgabe direkt in Traiskirchen selbst durchzuführen. "Wir sind ganz einfach überzeugt, dass es sinnvoll wäre, das Erstaufnahmezentrum zumindest teilweise für katastrophenerprobte Hilfsorganisationen wie die Caritas und das Rote Kreuz zu öffnen", so der Caritas-Präsident.

 

Die Caritas ist Österreichs größte Trägerorganisation in der Asylbetreuung: Im Rahmen der Grundversorgung betreut sie 15.000 Personen, was rund 30 Prozent aller Asylwerber ausmacht. 4.500 davon leben in Caritas-Quartieren, weitere 10.500 werden mobil betreut.

 

Bereits jetzt sammelt die Caritas in Traiskirchen mit dem "Omni.Bus" Sachspenden und gibt sie - derzeit nur durch die Zäune der Erstaufnahmestelle - an Flüchtlinge aus. Landau sprach von einer "überwältigenden und ermutigenden Solidarität" der Bürger: So konnten in den vergangenen Wochen tausende Willkommenspakete geschnürt oder an einem Wochenende 700 regenfeste Schlafsäcke verteilt werden. Zudem erhalten die Flüchtlinge Kleidung und Hygieneartikel.

 

Familienverband pocht auf Kinderrechte

Der Katholische Familienverband hat angesichts des Amnesty-Berichts zu Traiskirchen Bund, Länder und Gemeinden dazu aufgefordert, unverzüglich für angemessene Behandlung der Flüchtlinge zu fordern. Besonderer Handlungsbedarf bestehe bei der prekären Lage der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: "Dass Kinder und Jugendliche, die durch Flucht und Krieg traumatisiert sind, in Zeltstädten oder im Freien schlafen müssen, ist beschämend und ein Armutszeugnis", betonte Familienverband-Präsident Alfred Trendl am Freitag in einer Aussendung.

 

Der Familienverband pocht diesbezüglich auf die Einhaltung der Kinderrechtskonvention. Österreich habe diese ratifiziert und müsse sie auch auf Flüchtlinge anwenden, denn "jedes Kind ist gleich viel wert", so Trendl. Flüchtlingskinder und Jugendliche hätten ein Recht auf eine kindgerechte Umgebung, Betreuung und Ausbildung und dürften nicht dauerhaft in Flüchtlingslagern untergebracht werden - "schon gar nicht ohne Dach über dem Kopf", betonte der Familienverband-Präsident. Gleichzeitig begrüßte Trendl die jüngste Erhöhung der Tagessätze für die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge.