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31.08.2015

Gedenkgottesdienst: Es ist genug!

Eröffnungsansprache von Kardinal Christoph Schönborn, zum Gedenkgottesdienst für die 71 getöteten Flüchtlinge.

Es ist genug!

 

Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen. Zu grauen­haft ist der Gedanke an das Todesleiden und Sterben dieser 71 Flüchtlinge, in einem Kühlwagen für Fleischtransport. Nicht auszudenken und doch notwendig daran zu denken, zu ahnen wie sie gestorben sind.

 

Wir kennen (noch) nicht ihre Identität. Deshalb konnten wir ihre Familien und Freunde nicht einladen. Aber ich begrüße Sie alle, die Sie an Stelle ihrer Familien gekommen sind, als Brüder und Schwestern in der großen Menschheitsfamilie. Sie alle, die gestorben sind, um die wir trauern sind unsere Geschwister, einfach als Mitmenschen.

 

Es ist genug!

 

Es ist Zeit aus der Starre zu erwachen und uns entschieden der wohl größten humanitären Herausforderung Europas in den letzten Jahrzehnten zu stellen. Und es geht nur gemeinsam, Staaten, die Europäische Union, Gemeinden, Religionsgemein­schaften. Und wir dürfen zugeben, dass es schwierig ist. Wir dürfen Ängste und Sorgen benennen. Aber Wegschauen geht nicht mehr. Es ist genug! Ja es ist auch genug guter Wille da, es ist genug an Möglichkeiten da, um diese Herausforderung zu bestehen. Darum zu beten, genug Hoffnung zu haben für diese Herausforderung, dazu lade ich sie alle ein.

 


(Kardinal Christoph Schönborn, 31. August 2015)

 


 

 

Gemeinsam mit Kardinal Schönborn konzelebrierten u.a. Militärbischof Werner Freistetter und Weihbischof Franz Scharl, weiters Bischofsvikar Dariusz Schutzki und Laszlo Vencser, Nationaldirektor für die Seelsorge andersprachiger Gemeinden in Österreich. Fast die gesamte Bundesregierung, angeführt von Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner war zu dem Gottesdienst gekommen; darunter auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Außenminister Sebastian Kurz. Unter den Gottesdienstteilnehmern waren weiters auch Nationalratspräsidentin Doris Bures, der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac.