Familienministerin Sophie Karmasin hat sich für die Möglichkeit einer "kirchlichen Wiederverheiratung" und eine Wertschätzung wiederverheirateter Geschiedener ausgesprochen. Die Kirche müsse sich den "gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen und wertschätzen, wenn sich Menschen wieder dazu entscheiden, Familie zu leben", so Karmasin in einem Interview mit der Kooperationsredaktion der Österreichischen Kirchenzeitungen, Ausgaben von 13. September 2015. Die Weltbischofssynode über die Familie im Vatikan im kommenden Oktober wird die Ministerin "genau verfolgen". Eine Woche nach der Synode reist sie zu Gesprächen in den Vatikan.
Sophie Karmasin formuliert im Interview erneut ein Bekenntnis zum Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. "Wenn wir eine höhere Geburtenrate wollen - und ich glaube, das will auch die katholische Kirche -, dann sollten wir uns den Erwartungen der Eltern bei der Kinderbetreuung stellen", so die Ministerin. Die niedrige Geburtenrate würde auch erklären, wieso 45 Prozent der Sozialleistungsausgaben des Staates 2014 in Altersleistungen wie Pensionen und nur neun Prozent an Familien und Kinder gingen.
Das Argument, frühe Fremdbetreuung schade Kindern, wies Karmasin zurück. Studien zeigten eindeutig, "dass Kinder in qualitativ hochwertigen Frühkindbetreuungen nicht leiden - eher ist das Gegenteil der Fall". Niemand wolle, dass einjährige Kinder zwölf Stunden in einer außerhäuslichen Betreuung sind. "Aber ein paar Stunden am Tag und ein paar Tage in der Woche können für Kinder förderlich sein."
Ein Konzept für das Kinderbetreuungsgeld sei in Grundzügen schon ausverhandelt. Auch der geplante Partnerschaftsbonus - 1.000 Euro, wenn sich Eltern das Kinderbetreuungsgeld mindestens 60:40 aufteilen - finde viel Zustimmung, so Karmasin. Eine Aufstockung der Mittel für das Kinderbetreuungsgeld sei aber unwahrscheinlich. "Bei der Budgetsituation müssen wir froh sein, wenn es in der Höhe gleich bleibt."
Und auch die Forderung, die Pensionsbeiträge für teilzeitarbeitende Frauen einfach zu erhöhen, sei bei der Budgetlage "absurd". Eine Alternative sei das "Pensionssplitting", bei dem Ansprüche des Vollzeit arbeitenden Partner mit dem anderen geteilt werden. "Die andere, optimalere Lösung wäre, dass beide sich die Kindererziehungszeiten aufteilen. Dann wäre auch die Pensionsanrechnung nicht einseitig."
Deutlich sprach sich Familienministerin Karmasin auch gegen das Standesamtsverbot für eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Die Ehe müsse man nicht erlauben, "aber dass eingetragene Partnerschaften nicht am Standesamt geschlossen werden und homosexuelle Paare keinen gemeinsamen Familiennamen führen können, halte ich für die Diskriminierung einer Familienform, die verletzend und nicht notwendig ist. Das will ich ändern".