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10.09.2015
Engagement der Katholischen Sozialakademie

"Woche des Grundeinkommens" mit bisheriger Höchstzahl an Events

Katholische Sozialakademie forciert Dialog über "ernstzunehmende Idee" eines von Erwerbsarbeit unabhängigen Grundeinkommens für alle.

 

Bei der "Internationalen Woche des Grundeinkommens" vom 14. bis 20. September gibt es in ganz Österreich so viele Veranstaltungen wie noch nie, die ein bedingungsloses, von Erwerbsarbeit unabhängiges Grundeinkommens (BGE) für alle Mitglieder einer Gesellschaft zur Diskussion stellen.

 

Den Dialog über diese "ernstzunehmende Idee" forciert kirchlicherseits seit Jahren die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe), die auch diesmal an mehreren Programmpunkten beteiligt ist. "Besonders erfreulich ist die große Bandbreite und auch die bisherige Höchstzahl von annähernd 50 Events, die von engagierten Personen und Initiativen selbst organisiert werden", freute sich ksoe-Expertin Margit Appel in einer Ankündigung.

 

Neuer Dialog

Ein Novum stelle heuer der Dialog zwischen BGE-Aktivisten und Gewerkschaftsmitgliedern dar, wies die Grundeinkommens-Vordenkerin in Österreich, ksoe-Mitarbeiterin Lieselotte Wohlgenannt, hin. Diesen Brückenschlag habe es zwar bereits in der Ära des visionären SP-Sozialministers Alfred Dallinger (1980-1989; davor GPA-Vorsitzender) gegeben, nach dessen plötzlichem Tod bei einem Flugzeugabsturz sei das Gespräch "ins Stocken geraten". Wohlgenannt: "Es ist an der Zeit, den Dialog wieder aufzunehmen."

 

Die von manchen als "sehr provokant" empfundene Modell des BGE gebe mehr als andere Reformvorschläge für die ins Trudeln gekommene Weltwirtschaft Anstöße dazu, "über unser Menschenbild nachzudenken", erklärte die Politologin Margit Appel im Gespräch mit der Kooperationsredaktion der Kirchenzeitungen. Es sei zweifellos eine Herausforderung, "ob es gelingt, uns gegenseitig dieses Grundeinkommen zuzugestehen, ohne dass es mit Auflagen verbunden ist". In einer Situation, in der die Reichen immer vermögender werden und "der Schritt der besseren Verteilung zu wenig gelingt", könnte das BGE Auswege eröffnen, meinte Appel. "Vielen Menschen fehlt es an ausreichendem Einkommen und an sozialer Sicherheit", das BGE sei "ein ganz wichtiger Baustein in Richtung Sicherheit, aber auch in Richtung Freiheit, nicht jede Arbeit zu jeden Bedingungen annehmen zu müssen, die weiter in ökologische oder soziale Krisen hineinführen würde". Konkrete Experimente mit dem BGE gebe es freilich weniger in Europa als etwa in Indien oder Namibia, wie Appel hinwies. Relevant sei das Thema jedenfalls auf allen Kontinenten.

 

Am 14. September um 19 Uhr moderiert Margit Appel eine Diskussionsrunde u.a. mit ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl, Ursula Holtgrewe vom Forschungsinstitut "Forba" und dem Soziologen Paul Kellermann (Universität Klagenfurt) zum Thema "Arbeit - Wohl oder Übel? Diagnosen und Utopien". Schauplatz ist die Fachbuchhandlung des ÖGB in Wien