Flucht und Vertreibung sind keine neuzeitlichen Phänomene. Bereits das Alte Israel erlebte durch extreme militärische Gewalt gegen die Bevölkerung ausgelöste Fluchtwellen.
Archäologisch ist erkennbar, dass Jerusalem deswegen am Ende des 8. Jh. vor Christus „aus allen Nähten platzte“ (Othmar Keel).
Dass dieser Zustrom auch eine Belastung war, versteht sich von selbst. Gleichzeitig brachten diese Flüchtlinge nach heutigem Wissensstand eine Fülle von Traditionen mit, die sich in unserer Bibel niedergeschlagen haben.
Das Thema Flucht wird in der Bibel also nicht als graue Theorie behandelt, sondern ihre Verfasser wissen, wovon sie sprechen.
Eine unübertroffene Zusammenfassung dazu bringt Jesus in der Bergpredigt: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten“ (Matthäusevangelium 7,12).
Christus traut uns also genügend Empathie zu, denn es ist vorstellbar, worauf wir selber in einer solchen Situation hoffen würden.