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Nachdenklichkeit
kathbild.at/Rupprecht, Franz Josef Rupprecht / Dr. Michael Prüller
16.09.2015

Bis alle Stürm vorübergehen

Hätte man mich ans Kreuz geschlagen .... Ich bin ihr Bruder...   Und wo bin ich?

Mich hat das Tagesevangelium vom Montag sehr berührt, gerade jetzt: Am Gedenktag der Sieben Schmerzen Marias berichtete es von der Muttergottes, die  unter dem Kreuz ihres Sohnes stand.

 

Wie furchtbar muss das sein, das eigene Kind leiden zu sehen, und gar nichts tun zu können, nicht einmal umarmen. Ich habe mich gefragt: Hätte ich als Vater die Kraft, ohnmächtig auszuharren?


Dem folgte sofort der zweite Gedanke: Hätte man mich ans Kreuz geschlagen – meine eigene Mutter wäre ganz sicher da gewesen. Und das allein hätte schon einen Riesenunterschied gemacht.


So sind Mütter. Mir ist dabei verständlicher geworden, warum ich mich ein bisschen verlorener fühle, seit meine Mutter tot ist. Obwohl ich eine wunderbare Frau habe und eine großartige Familie, die zusammenhält. Eine Mutter ist ein Dach über dem Kopf, ist Heimat in einer Welt, in der wir alle Vertriebene sind.

 


Gott, der uns liebt, hat daher auch für eine Mutter im Himmel gesorgt. Im uralten Gebet des Salve Maria beten wir um ihre Fürsorge, wir „exules filii“, wir aus dem Paradies vertriebenen Kinder, die erst nach unserem irdischen „Exil“ bei Jesus wieder ganz daheim sein werden.


Mich hat das sehr bewegt: Maria unter dem Kreuz, und Christus, der ihre Mutterschaft  geheimnisvoll mit der Mutter Kirche verbindet („Siehe, dein Sohn – siehe, deine Mutter“).

 

Mir gibt diese Mutter-Kirche doch wieder Heimat, meinem Herzen Obdach. Ich weiß mich behütet, geborgen, getragen, getröstet, umarmt.


Aus dieser Geborgenheit heraus, sehe ich die, die in unserem „Tal der Tränen“ nicht einmal mehr ein irdisches Zuhause haben, die ganz und gar auf andere angewiesen sind.

 

Ich bin ihr Bruder. Unter ihrem Kreuz harrt unsere Mutter aus.

 

Und wo bin ich?