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18.09.2015

Zwischenbilanz zu Flüchtlingshilfe: 800 Caritas-Helfer leisteten "Großartiges"

Solidarität in Österreich jetzt in ganz Europa gefragt, so Landau.

Die Solidarität, die zuletzt in Österreich bei der Bewältigung des Flüchtlingszustroms deutlich wurde, ist "jetzt in ganz Europa gefragt". Das betonte Caritas-Präsident Michael Landau am Freitag, 18. September 2015, in einer Zwischenbilanz der bisher von der Caritas geleisteten Flüchtlingsnothilfe. Nicht nur hierzulande, auch viele Menschen in der EU handelten nach dem Prinzip der Solidarität; "ihre gewählten Vertreter konnten sich bislang jedoch nicht einmal auf verpflichtende Verteilungsquoten einigen", so Landau. Vom Gipfel der Staats- und Regierungschefs nächste Woche erwarte er, "dass die politisch Verantwortlichen die gegenwärtige Situation der Flüchtlinge mindestens genauso ernst nehmen wie die Rettung Griechenlands".


Während der Bankenkrise hätten die EU-Spitzen "praktisch in Permanenz getagt", nun, da es um Menschenleben geht, "scheint man es nicht ganz so eilig zu haben", ärgerte sich der Caritas-Chef. Alle Mitgliedstaaten seien jetzt zum Einsatz für ein menschliches Europa aufgerufen. "Die vergangenen Tage haben gezeigt: Wer vor Bomben und Terror flieht, lässt sich von Stacheldraht nicht aufhalten", wies Landau hin. "Ein eingezäuntes Europa schützt nicht vor schutzsuchenden Menschen, sondern trennt Bürger von Mitmenschlichkeit und Solidarität."

 

Hilfsbereitschaft in Österreich "überwältigend"

Die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher in der akuten Notsituation nannte Landau "überwältigend". Mehr als 800 engagierte Freiwillige der Caritas hätten in den vergangen zwei Wochen mit der tatkräftigen Unterstützung tausender Helferinnen und Helfer "Großartiges geleistet": Auf Bahnhöfen und Grenzübergängen wurden täglich bis zu 10.000 Frauen, Männer und Kinder willkommen geheißen und versorgt", zog der Caritas-Präsident eine beeindruckende Zwischenbilanz.



Minütlich neue Helfer via Internet

Flüchtlingshilfe erfolge rund um die Uhr: 52.000 Menschen informieren sich auf der Facebook-Seite "Wir helfen" laufend darüber, wie sie konkrete Hilfe leisten können. Nur 28 Minuten nach einem Aufruf über das soziale Netzwerk um 22.30 Uhr meldeten sich 30 Helfer zum Nachtdienst in einem Wiener Flüchtlingsnotquartier, freute sich Landau. Hunderte freiwillige Arabisch- und Farsi-Dolmetscher sorgten für reibungslose Verständigung. Allein in den Wiener Pfarren werden derzeit mehr als 1.000 Notquartiersplätze rasch und unbürokratisch zur Verfügung gestellt. Landau sprach "ein herzliches Danke an alle Helferinnen und Helfer!" aus.

 

 

Deutschkurse, Wohnungen, Schul- und Arbeitspätze

Zugleich rief er zu weiteren Vorkehrungen auf. "Wenn die Quartierkrise von heute nicht zu einer Integrationskrise von morgen werden soll, werden wir schon bald so etwas wie eine doppelte Integration benötigen": Landau nannte einerseits Deutschkurse, Wohnungen, Schul- und Arbeitsplätze für die in Österreich Schutz Suchenden. Anderseits gelte es jene Österreicher zu "integrieren", die angesichts steigender Asylantragszahlen besorgt sind. "Auch ihre Nöte dürfen jetzt nicht aus dem Blickfeld geraten", nannte Landau "Zukunftsthemen wie Bildung oder Pflege".