Gibt es für die Christen im Orient eine Zukunft? - Und wenn Ja, wie kann ein gemeinsamer Weg mit den Muslimen aussehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die diesjährige Jahrestagung der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) am 28. und 29. September 2015 im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil. Hauptvortragende sind der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael I. Sako (Bagdad), und der chaldäisch-katholische Bischof Antoine Audo (Aleppo). Die beiden werden über die aktuelle Lage im Irak und in Syrien berichten.
Eröffnet wird die Tagung am Montag, 28. September von ICO-Ehrenobmann Hans Hollerweger und dem Linzer Bischof Ludwig Schwarz. Weitere Vortragende sind der koptisch-kahtolische Bischof Kyrillos William Samaan (Assiut/Ägypten) und der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide. Der Grazer Religionswissenschaftler Karl Prenner wird einen Überblick über den Islam in seiner Vielfalt geben, Caritas-Experte Stefan Maier wird über die Lage der Syrien-Flüchtlinge im Libanonon und in Syrien berichten. Einen weiteren Vortrag wird der emeritierte Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele halten. ICO-Obmann Slawomir Dadas wird einen Überblick über die vielfältigen Tätigkeitsfelder der ICO bieten.
Die Arbeit der ICO begann 1989 mit dem Einsatz für die bedrängten christlichen Gemeinden in der Südosttürkei ("Tur Abdin"), später wurde die Hilfe auf den gesamten Orient ausgeweitet. So leistete die ICO beispielsweise im kurdischen Nordirak Pionierarbeit. Die ICO hat in Kurdistan jedes Jahr bis zu 30 Hilfsprojekte laufen und unterstützt auch gegenwärtig die örtlichen Pfarren bei der Flüchtlingshilfe. Bekannt ist die ICO auch durch die Aktion "Licht für Bethlehem".
Ein aktueller Schwerpunkt der ICO-Arbeit liegt in der Unterstützung der Christen Syriens, die aus ihren Stadtvierteln oder Dörfern fliehen mussten und nun innerhalb ihres Heimatlandes als Flüchtlinge leben. Die ICO unterstützt beispielsweise Pfarrer Iyad Ghanem, der sich in Homs um Flüchtlinge und die inzwischen durch den Krieg auch völlig verarmte lokale Bevölkerung kümmert; u.a. mit Nahrungsmittelpaketen und Hygieneartikel für Babys und Kleinkinder.
In Homs komme zur Armut noch die Angst, so der syrisch-katholische Pfarrer in der aktuellen Ausgabe der ICO-Zeitung. Der Krieg tobe in Hörweite und Autobomben würden überall Terror und Schrecken verbreiten. "Dringender als jedes andere Brot brauchen wir das Brot des Friedens", so Ghanem. In jenen Gebieten, die noch vom syrischen Machthaber Assad kontrolliert werden, gibt es laut dem Pfarrer keine Probleme zwischen Christen und Muslimen, seine kirchliche Arbeit komme selbstverständlich auch den Muslimen zugute. Aber: "Es ist mit ein Ziel des Krieges, diese guten Beziehungen zu zerstören", betont der Priester.
Die ICO hat eine neue Spendenkampagne gestartet, um die Menschen in Syrien vor Ort zu unterstützen. "Alle Medien behaupten, dass die Lage in Syrien aussichtslos ist. Als Priester will und kann ich dem nicht zustimmen. Ich denke vielmehr an den Ausspruch: Ein Christ fragt nicht nach der Hoffnung, sondern er gibt sie", zitiert die ICO den melkitisch-katholischen Priester Hanna Ghoneim, der immer wieder Spenden aus Österreich direkt nach Syrien überbringt.