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24.09.2015
Missionar Junipero Serra heiliggesprochen

Papst spricht Kalifornien-Missionar in Washington heilig

Franziskus ruft Christen dazu auf, "Missionare der Freude" zu sein und ihren Glauben ohne moralische Überheblichkeit zu verkünde.

Papst Franziskus hat am Mittwochabend (Ortszeit), 23. September 2015 in der US-Hauptstadt Washington den spanischen Missionar Junipero Serra (1713-1784) heiliggesprochen. Der Franziskanerpater wird als Stadtgründer von San Francisco und anderer Städte im Bundesstaat Kalifornien verehrt. Serra gründete entlang der Westküste mehrere Missionsstationen. In diesen Jahren taufte der Pater mindestens 6.000 Ureinwohner. Die Heiligsprechung gilt als Bestärkung der spanischsprachigen Christen, die rund ein Drittel der US-Katholiken ausmachen. Es gibt aber auch kritische Stimmen: Rund 10.000 Menschen hatten im Vorfeld der Heiligsprechung eine Erklärung unterschrieben, wonach viele Indianer unter dem Wirken der franziskanischen Missionare hätten leiden müssen.

 

Serra habe Würde der indianischen Ureinwohner schützen wollen

Bei der Heiligsprechungsmesse im Heiligtum der "Jungfrau der Unbefleckten Empfängnis" in Washington, der katholischen Schutzpatronin der Vereinigten Staaten, würdigte der Papst vor Tausenden Gläubigen Serra als einen vorbildlichen Missionar, der offen auf die Menschen zugegangen sei. Der Heilige habe die Würde der indianischen Ureinwohner schützen wollen, betonte Franziskus. Er sei gegen Misshandlungen der Ureinwohner aufgestanden, die bis heute nachwirkten.

 

Eine der Lesungen bei dem Gottesdienst wurde in der Indianersprache Chochenyo vorgelesen, einer Sprache, die "Native Americans" im früheren Missionsgebiet Serras rund um die Bucht von San Francisco heute noch sprechen. Am Rande der Messe traf sich Franziskus auch mit etwa zwanzig von ihnen zu einer kurzen Begegnung.

 

Missionare der Freude sein

In seiner Predigt, die der Papst auf Spanisch hielt, rief Franziskus auf, den Glauben in die Welt zu tragen. "Jesus hat gesagt: Geht hinaus und verkündet jedem die Frohe Botschaft. Geht hinaus in meinem Namen und umarmt das Leben, wie es ist - nicht wie es sein sollte", wandte er sich dabei gegen religiöse Vorurteile und moralische Überheblichkeit. Viele Menschen litten heute unter Apathie, fehlender Lebensfreude und innerer Leere. "Geht hinaus auf die Hauptstraßen und Nebenwege und verkündet all jenen, die die Freude am Leben verloren haben, furchtlos und ohne Voreingenommenheit, Überlegenheit und ohne Herablassung, die Gute Nachricht", sagte der Papst.

 

Angesichts von Not, Hunger, Zweifel und Sünde in der Welt müssten Christen den Menschen als Missionare der Freude vorangehen. "Lasst uns vorangehen", so Franziskus. "Die christliche Freude erfährt und erlebt man nur, wenn man sie weitergibt - und wenn man sich selbst gibt. Der Geist der Welt lädt uns zur Anpassung ein und zur Bequemlichkeit. Dagegen müssen wir von neuem spüren, dass wir uns gegenseitig brauchen und dass wir eine Verantwortung den anderen und der Welt gegenüber haben - die Verantwortung, die Botschaft Jesu zu verkünden."

 

Jesus sende auch heute die Christen "zu allen Nationen", betonte Franziskus. "Er gibt uns keine kurze Liste, zu wem wir gehen sollen und zu wem nicht, wer würdig ist oder nicht, seine Botschaft zu empfangen. Stattdessen umarmte er immer das Leben, so wie er es sah. In Gesichtern von Schmerz, Hunger, Krankheit und Sünde." Christliche Mission könne nie das Produkt eines perfekt geplanten "Programm" oder eines gut strukturierten Handbuchs sein, unterstrich der Papst. Sie sei vielmehr das Ergebnis einer lebenslangen Gotteserfahrung von Barmherzigkeit und Vergebung.

 

Franziskus besuchte Ordensfrauen, die sich mit Obama anlegen

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner USA-Reise in Washington jenseits des offiziellen Programms die Niederlassung eines katholischen Frauenordens besucht, der gegen die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama geklagt hat. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in der US-Hauptstadt mitteilte, suchte der Papst die Ordensfrauen nach der Heiligsprechung des spanischen Missionars Junipero Serra vor dem Nationalen Schrein der Unbefleckten Empfängnis auf. Franziskus wollte dem Orden mit seinem Besuch nach Lombardis Angaben den Rücken stärken.

 

Die "Kleinen Schwestern für die Armen" hatten sich geweigert, als kirchlicher Arbeitgeber ihren Angestellten eine Krankenversicherung anzubieten, die Kosten für künstliche Verhütungsmittel, für die "Pille danach" und für Präparate zur Abtreibung übernimmt. Dies sieht die Gesundheitsreform von Präsident Obama vor. Ihre Klage wurde im Juli von einem Berufungsgericht abgewiesen.