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26.09.2015
Messe im Madison Square Garden

Franziskus in New York: Glaube ist helles Licht im Großstadt-Smog

Papst bei Messe in Madison Square Garden: Anonymität der Menschen am Rande der Gesellschaft "ohrenbetäubend“.

Die Globalisierung und Vermischung der Kulturen ist nach den Worten von Papst Franziskus eine Chance für die Menschheit. Ihre Kulturen und Traditionen seien "verborgene Schätze", um dem Dasein der Menschen einen Sinn zu geben, sagte er am Freitagabend, 25. September 2015, dem vierten Tag seiner USA-Reise, bei einer Messe im New Yorker Konzerthaus Madison Square Garden vor rund 20.000 Mitfeiernden. Besonderen Schwerpunkt legte der Papst auf den religiösen Glauben in den Großstädten, die nicht zu einem anonymen Moloch verkommen dürften: "Gott lebt in unseren Städten", so seine Botschaft an die New Yorker.

 

„Viele sind vom Rhythmus des Wandels ausgeschlossen“

Das komplexe Leben in den Großstädten stehe im Brennpunkt der globalen Entwicklung. Es finde statt in einem "multikulturellen Kontext mit großen Herausforderungen, die nicht einfach zu lösen sind", sagte der Papst. Viele Menschen lebten dort als Menschen zweiter Klasse "im Dunkeln". "Es sind Ausländer, ihre Kinder, die nicht eingeschult wurden, Menschen ohne Krankenversicherung, Obdachlose, alleingelassene alte Menschen. Diese Menschen stehen an den Rändern unserer Straßen, auf unseren Gehwegen, in ohrenbetäubender Anonymität", so der Papst. Viele Menschen seien vom "Rhythmus des Wandels" ausgeschlossen, kritisierte er, und niemand nehme sie wahr. "Sie werden zu einem Bestandteil einer urbanen Landschaft, die in unseren Augen und vor allem in unseren Herzen allmählich selbstverständlich wird."

 

Der Glaube an Jesus Christus müsse im "Smog" der heutigen Städte ein Licht sein, so der Papst. "Das Volk, das mitten im Smog wandelt, atmet, lebt, es sieht ein helles Licht, erfährt frische Luft", übersetzte er den Jesaja-Lesungstext in heutige Verhältnisse. Jeder Christ sei dazu aufgerufen. "Er drängt sie, hinaus zu gehen und den anderen zu begegnen, wo sie wirklich sind und nicht, wo sie unserer Meinung nach sein sollten. Geht hinaus, immer wieder, geht hinaus ohne Angst, ohne Scheu. Geht hinaus und verkündet die Freude, die für alle Menschen bestimmt ist."

 

Die katholische Kirche trage dafür eine besondere Verantwortung. Sie lebe in den Städten der globalisierten Welt "und möchte wie Hefe im Teig sein". Die Christen sollten durch ihr Leben zeigen, dass Gott auch heute die Armen und Verlorenen umarmt; dass er die Menschen "von einem gesichtslosen und leeren Leben" sowie "vom Wettbewerbskampf und von der Selbstbezogenheit" befreit.

 

Bunte Liturgie dank Billy Joel

Beim Gottesdienst präsentierten sich die katholische Kirche New Yorks als bunt und lebhaft: Konsequenter noch als bei den Reisen früherer Päpste nach New York wurde in der Liturgie neben dem Englischen auch Spanisch gesprochen, eine Verbeugung nicht nur vor dem Papst aus Argentinien, sondern auch vor den "Hispanics", die das Gesicht der US-Kirche immer stärker prägen. Symbolhaft dafür war auch eine Statue der Jungfrau von Guadalupe, die von den Einwanderern aus Lateinamerika besonders verehrt wird, bei der Messe präsent. Die Fürbitten waren u.a. auf Irisch, Polnisch, Deutsch und Italienisch, womit auf die klassischen Einwanderernationen früherer Jahrhunderte verwiesen wurde.

 

Damit die Papstmesse im Madison Square Garden möglich geworden war, hatte der US-Rockstar Billy Joel (66) auf einen Bühnenauftritt am selben Ort verzichtet. Joel war bereits für den Abend des 25. September in der berühmten Konzerthalle im Herzen Manhattans gebucht, als die Anfrage der Erzdiözese New York kam. Der "Piano Man", Sohn deutsch-britischer Einwanderer, stimmte sofort zu, auch als sein Kreativ-Direktor Steve Cohen dem Papst seine Dienste anbot. Cohen hat laut dessen Angaben gegenüber dem Fernsehsender NBC bei der Produktion der Messe die Wünsche und den Stil des Papstes zum Maßstab gemacht. "Wir haben eine ruhige, elegante Umgebung geschaffen", so der Produzent - "einfach und bescheiden ohne Glitzer und Blitze".