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26.09.2015
Generalvikar Krasa bei Ökumene-Gottesdienst

Kirchliche "Schöpfungszeit": "Nachhaltiges Leben ist kein Hobby"

Wiener Generalvikar Krasa bei Ökumene-Gottesdienst: Umweltschutz und Überwindung globaler Krisen hängt untrennbar zusammen.

Die Bewahrung der Schöpfung und die Überwindung der weltweiten Gesellschaftskrise hängen untrennbar zusammen: Das war der Tenor eines ökumenischen Gottesdienstes, der am Freitagabend, 26. September 2015 in der Wiener griechisch-orthodoxen Kathedrale im Rahmen der kirchlichen Veranstaltungsreihe "Schöpfungszeit" stattgefunden hat. Zum Gottesdienst unter dem Motto "Über den Wassern zum Leben" hatte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) in Zusammenarbeit mit den Schöpfungsbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirchen eingeladen. Die Predigt hielt der katholische Generalvikar für Wien, Nikolaus Krasa.

 

„Sozioökonomische Krise“

"Es gibt keine Umwelt- und eine Gesellschaftskrise, sondern nur eine sozioökonomische Krise, die ganzheitliche Lösungen erfordert", betonte Generalvikar Krasa. Die Bewahrung der Schöpfung sei kein "Hobby", sondern vielmehr eine soziale Frage, zumal der Lebensstil des Westens die Lebenssituation und auch das Leid der Menschen in armen Regionen der Erde mitbestimme. Krasa verwies dabei auf das Konzept des "ökologischen Fußabdruck" und erinnerte daran, "dass es eineinhalb bis zwei Erden bräuchte, wenn alle Menschen so wie wir in Westeuropa leben würden". Auch die aktuelle Flüchtlingskrise sei dadurch mitbedingt, dass die Menschen im Westen "auf Kosten anderer" lebten, so Krasa.

 

Für die Lösung dieses Dilemmas schlug der Wiener Generalvikar vor, das Evangelium in Bezug auf den eigenen Lebensstil zu befragen. Ein genügsames und einfaches Leben, wie es in den Bibeltexten vorgeschlagen wird, würde automatisch auch einen behutsamen Umgang mit der Schöpfung bedeuten, so Krasa.

 

Die Verbindung von ökologischer und humanitärer Verantwortungslosigkeit wurde in einem Bußakt wurde versinnbildlicht. So wurden neben symbolischem Müll und Gift auch Spielzeugmenschen in mit Wasser gefüllte Behälter geworfen. "Herr erbarme dich unserer Lieblosigkeit", hieß es zum Abschluss.

 

Die katholische Kirche hatte in diesem Jahr erstmals am 1. September weltweit einen "Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung", kurz "Schöpfungstag" begangen. Papst Franziskus, der zeitgleich am Freitag in New York die UNO-Generalversammlung und deren Beschluss der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) eröffnete, wollte mit der Gebetsinitiative einen Beitrag zur Überwindung der ökologischen Krise zu leisten. Der Tag solle in allen Ortskirchen angemessen begangen werden und damit auch einen entsprechenden Lebensstil fördern.

 

In Österreichs Kirche hat die "Schöpfungszeit" vom 1. September bis 4. Oktober bereits Tradition: Veranstaltungen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz finden in dieser Zeit statt, darunter ökumenische "Schöpfungsgottesdienste", Wanderungen, Exkursionen, Vorträge und Diskussionen. "Umweltbischof" Alois Schwarz erklärte zu diesem Anlass, jeder Einzelne müsse durch bescheideneren und nachhaltigeren Lebensstil Verantwortung gegenüber der gesamten Schöpfung übernehmen.