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26.09.2015
Feier in Wien

Wien: "Theologische Kurse" feiern 75-jähriges Bestehen

Weihbischof Krätzl in bei Stephansdoms-Festmesse: Kirche braucht Menschen, "die reflektiert Auskunft über ihren Glauben geben können".

Mit einem Festakt im Wiener Erzbischöflichen Palais und einem Gottesdienst im Stephansdom haben die "Wiener Theologischen Kurse" am Freitag, 26. September 2015 ihr 75-Jahr-Jubiläum begangen. "Theologische Bildung und reflektierter Glaube sind wichtiger denn je", betonte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl in seiner Predigt. Angesichts "absoluter Gleichgültigkeit Religiösem gegenüber, ja sogar mancher Häme" und dem heutigen religiösen Pluralismus brauche es Menschen, "die reflektiert Auskunft über ihren Glauben" geben könnten. Dies gelte gerade in der Auseinandersetzung mit dem Islam, denn Angst vor fremden Religionen komme von der Unsicherheit im eigenen Glauben. "Für ein sinnvolles interreligiöses Gespräch ist intellektuell reflektierter Glaube Voraussetzung."

 

„Widerstand aus dem Glauben heraus“

Mit Rückblick auf ihren Gründungsauftrag attestierte Weihbischof Krätzl den Kursen, stets zu einem "Widerstand aus dem Glauben heraus" motiviert zu haben - zur Zeit der Gründung 1940 gegen das Nazi-Regime, heute in der Flüchtlingsfrage. Die Kurse lehrten die theologische Auseinandersetzung mit dem, was "Jesus eigentlich ist", das schließlich zum "sozialen Tun" dränge. Sie würden sich dabei nicht im "Theologie Dozieren" erschöpfen, sondern auch das persönliche Glaubensgespräch pflegen. Angesichts der Flüchtlingsfrage stehe Jesu Anwesenheit "im ertrunkenen Kind, das das Meer angeschwemmt hat, in Flüchtlingen, in Schlepperautos zusammengepresst" im Vordergrund. Deshalb dürfe theologische Bildung nicht im "elfenbeinernen Turm von Dogmen und Glaubenssätzen stecken bleiben, ohne den Blick für Jesus im Nächsten zu öffnen".

 

Wiens Erzbischof Christoph Schönborn hob die Wichtigkeit des "Bescheid Wissens über den eigenen Glauben" hervor: "Unwissenheit über den eigenen Glauben ist ein schweres Handicap". Es brauche "Instrumente, wie die Theologischen Kurse, die uns den Glauben vermitteln", so der Kardinal, der selber 16 Jahre lang Dogmatik an der Universität Freiburg lehrte, im Vorfeld des Festgottesdienstes im Rahmen eines Festaktes im Erzbischöflichen Palais. Mehr als bloß um Wissen gehe es aber um ein Verstehen des Glaubens, das schließlich zur Liebe dränge. Glaube sei nicht zuerst Wissen sondern Beziehung zu anderen Menschen, die aus dem Glauben heraus gestaltet sei, so Schönborn.

 

Die Leiterin des Wiener Pastoralamtes, Veronika Prüller-Jagenteufel, nahm Bezug auf den pastoralen Aspekt von Theologie-Vermittlung. Der Auftrag, das Evangelium zu verkünden, richte sich an alle Gläubigen. Um das aber tun zu können, brauche es eine Auseinandersetzung mit den Inhalten der Verkündigung. Einen "Expertenlevel" müsse dabei aber nicht jeder erreichen. Gregor Jansen, Pfarrmoderator der Wiener Pfarre Breitenfeld, gab Einblicke in die pastoralen Angebote seiner Pfarre, die oft von Pfarrmitgliedern geleitet würden, die die Theologischen Kurse zuvor absolviert hatten.

 

Voraussetzung für Religionsdialog

Jede religiös und weltanschaulich plurale Gesellschaft sei gut beraten, theologische Forschung und Weiterbildung zu fördern, betonte Christa Schnabl, Vizerektorin der Universität Wien und frühere Mitarbeiterin der Theologischen Kurse. Schließlich müssten für ein besseres Verständnis voneinander und für Dialog vor allem die "Hintergründe der verschiedenen Werte- und Religionsgemeinschaften" verstanden werden. Theologische Bildung sei deshalb für den Frieden in einer Gesellschaft essentiell.

 

Theologische Bildung als Voraussetzung für jeden interreligiösen und interkulturellen Dialog betonte auch Ursula Struppe, Leiterin der Magistratsabteilung 17 für Integration und Diversität. Ohne eine Bildung und Festigung der eigenen Identität, die oft auch von Glauben bestimmt sei, werde der Dialog mit Andersgläubigen zu einer Bedrohung.

 

Die Nähe zum universitären Lehrbetrieb der Theologischen Kurse hob der Wiener Dogmatiker Josef Weismayer hervor. Von Beginn an wurde beim Lehrpersonal für die Kurse auf Universitätsangestellte zurückgegriffen. Die Kurse in Wien gehören auch zu jenen Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die als Grundstruktur die akademische Fächergliederung der Universitäten übernommen hätten.

 

Älteste theologische Erwachsenenbildung

Die "Theologischen Kurse" sind die älteste theologische Erwachsenenbildungseinrichtung der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum. Seit dem Jahr 2000 leitet der Kärntner Theologe Erhard Lesacher die Kurse. Gegründet wurden sie in einem kirchenfeindlichen Regime 1940 von der Innsbrucker Philosophin Margarete Schmid, zunächst unter dem Titel "Laienjahr" und als Glaubenskurs für Laien. Maßgeblich an der Gründung beteiligt war der damalige Leiter des Seelsorgerates, Domkapitular Karl Rudolph. Zu den Referenten der ersten Stunde gehörten u.a. Kardinal Franz König, der spätere Konzilstheologe Karl Rahner sowie der Künstlerpriester Otto Mauer.