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27.09.2015
KOO-Geschäftsführer zu neuen UNO-Zielen

Hödl: Neue Nachhaltigkeitsziele sind "Paradigenwechsel"

KOO-Geschäftsführer Hödl: Nationaler Umsetzungsplan für die Ziele seitens der österreichischen Regierung nötig.

Die neuen Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) erfordern einen "raschen Paradigmenwechsel" im Lebensstil und in der Politik: So hat der Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO), Heinz Hödl, die am Freitag, 25. September 2015 von der UNO-Generalversammlung in New York beschlossene Agenda 2030 kommentiert.

 

Die kirchlichen Hilfswerke würden die neuen Ziele ausdrücklich begrüßen. Alle Staaten seien dazu aufgerufen, die ehrgeizigen Ziele mit den Grundprinzipien Gerechtigkeit, Umweltschutz und Menschenwürde und durch konkrete Schritte zu verwirklichen, so der Experte gegenüber "Kathpress".


„Nationaler Umsetzungsplan notwendig“

Österreichs Bundesregierung müsse nun einen nationalen Umsetzungsplan für die Ziele erarbeiten, erklärte Hödl. Dazu gehöre die Bereitstellung von Budgetmitteln wie etwa die Erhöhung der Entwicklungshilfe oder die Förderung von Technologietransfers. Mehr Rücksicht sei in Zukunft geboten hinsichtlich der Auswirkungen verschiedenster Politikfelder wie etwa Handels- und Investitionsabkommen auf die internationale Entwicklung. Hier müsse zumindest ein "Do no harm"- Ansatz gelten, zudem seien Maßnahmen gegen Nahrungsmittelspekulationen oder Steuerflucht erforderlich.

Die Wirtschaft müsse ausbeuterische Produktionsmuster und die Wegwerfkultur überwinden und zu nachhaltigeren und solidarischeren Formen gelangen, zudem hätten ernstgenommene Nachhaltigkeitsziele auch Konsequenzen für den Lebensstil aller Menschen. Hödl: "Die Kapazitäten der Erde, Umweltschäden zu verarbeiten, sind begrenzt. Der Paradigmenwechsel muss rasch und gründlich erfolgen und muss auch die ökologischen und sozialen Ursachen der über 40 regionalen Kriege und Konflikte miteinbeziehen."

Die Ziele ernstzunehmen heiße "nichts anderes als Ursachen zu beseitigen, warum Millionen von Menschen ihre Heimat verlassen müssen", erklärte Daniel Bacher von der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, der auch Mitglied der Delegation Österreichs in New York ist. Die aktuelle Flüchtlingskrise zeige deutlich auf, wie wichtig es sei zu handeln noch bevor sich Probleme verkomplizieren. Wie Menschen in den Entwicklungsländern konkret betroffen seien, kenne das Hilfswerk aus dem Kontakt mit ihren Partnerorganisationen im Süden.

Nachdem sich die Welt große Ziele gesetzt habe - Bacher bezeichnete sie als "globaler Masterplan" -, müsse nun die österreichische Politik tätig werden, pochte auch der Dreikönigsaktions-Experte auf einen "nationalen Umsetzungsplan mit klaren Verantwortlichkeiten und entsprechender Einbindung der Zivilgesellschaft". Durchaus könnten die weltweiten Ziele ein Beitrag sein für mehr Fokussierung, Transparenz und Überprüfbarkeit in der Nachhaltigkeitspolitik. Aktives Engagement in der Bekämpfung des Klimawandels habe dabei Teil dieses Einsatzes zu sein.

 

 

Nun auch Industriestaaten im Fokus

Die UNO-Vollversammlung hatte am Freitag die sogenannte Agenda 2030 verabschiedet. Darin sind 17 "nachhaltige Entwicklungsziele" zusammengefasst, die in den kommenden 15 Jahren verwirklicht werden sollen. Die Agenda schreibt die im Jahr 2000 verabschiedeten "Milleniumsentwicklungsziele" (MDGs) fort, die Ende dieses Jahres auslaufen. Die Vorgängerziele enthielten acht Vorgaben, darunter die Halbierung von Hunger und Armut weltweit, die Verringerung der Kindersterblichkeit, ein besserer Schutz vor übertragbaren Krankheiten, bessere Bildungschancen und mehr Gleichberechtigung. Die Ziele wurden teilweise erreicht, teils jedoch nicht.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele wurden nun beim Entwicklungsgipfel in New York von der UNO-Vollversammlung beschlossen. Die erste Hürde war Anfang August genommen worden. Damals stimmten die UN-Mitgliedstaaten dem Entwurf der Entwicklungsagenda zu, über den seit mehr als zwei Jahren verhandelt wurde. Darin enthalten sind nun 17 Hauptziele und 169 Unterziele.

Hauptziele der neuen Agenda bleiben wie bei den auslaufenden Millenniumszielen die Überwindung von Armut, Hunger und Krankheit sowie bessere Bildungschancen und Geschlechtergerechtigkeit. Die Vereinten Nationen wollen nun die Industriestaaten gleichermaßen in die Pflicht nehmen und Fragen von nachhaltigem Wirtschaften und Klimaschutz einbeziehen. Zudem sollen alle Nationen regelmäßig Rechenschaft über den Stand und die Fortschritte im eigenen Land ablegen. Neben einer jährlichen Überprüfung durch ein hochrangiges Forum der UNO sind demnach alle drei Jahre Treffen auf Ministerebene und alle vier Jahre auf Ebene der Staats- und Regierungschefs geplant; das erste soll 2019 stattfinden.