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28.09.2015

Kardinal-König-Preis 2015 an Weihbischof Krätzl und irakischen Patriarch Sako

Würdigung des unermüdlichen Konzilszeugen Krätzl und Patriarch Sakos Einsatz für Bürgerrechte der Christen im Nahen Osten.

Die Kardinal-König-Stiftung vergibt den diesjährigen Kardinal-König-Preis an den emeritierten Wiener Weihbischof Helmut Krätzl (83). Das Kuratorium der "Kardinal König-Stiftung" zeichnet damit - 50 Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) - den unermüdlichen Zeugen des Konzils und leidenschaftlichen Verfechter einer Kirche aus, die sich um die konsequente Umsetzung der epochalen Weichenstellungen des Konzils in den Alltag bemüht. Zum ersten Mal vergibt die Stiftung auch einen Kardinal-König-Ehrenpreis. Auf Anregung von "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte wird dieser Preis dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael I. Sako (67) zuerkannt.

 

Festakt für Weihbischof Krätzl am 19. November

Die Überreichung des Kardinal-König-Preises 2015 an Weihbischof Krätzl erfolgt bei einem Festakt am 19. November um 18.30 Uhr in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Lainz. Der Präsident der Kardinal-König-Stiftung, der emeritierte Grazer Bischof Egon Kapellari, wird den Preis an Weihbischof Krätzl überreichen, die Laudatio hält der Theologe Walter Kirchschläger. Im Rahmen des Festaktes wird auch der 7. Band der im "Styria"-Verlag erscheinenden "Kardinal-König-Bibliothek" präsentiert. Autoren des Bandes mit dem Titel "Die Kirche in der Welt von heute. Aggiornamento nach 50 Jahren" sind Bischof Krätzl und die Leiterin des Kardinal-König-Archivs, Annemarie Fenzl.

 

Die Modalitäten der Übergabe des Kardinal-König-Ehrenpreises an Patriarch Sako sind derzeit noch offen. Ursprünglich sollte Sako am 28. und 29. September 2015, an der Jahrestagung der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) in Salzburg teilnehmen. Bei dieser Gelegenheit hätte auch der Preis überreicht werden sollen. Im Hinblick auf die angespannte Situation im Irak möchte der Patriarch aber derzeit das Land nicht verlassen. Er bemüht sich zur Zeit, in Gesprächen mit Spitzenpolitikern der kurdischen Region im Irak eine Textierung der geplanten Regionalverfassung zu erreichen, die ausdrücklich gleiche Rechte und Pflichten für alle Bürger vorsieht, unabhängig vom religiösen Bekenntnis oder der ethnischen Zugehörigkeit.

Einsatz für Verwirklichung des Zweiten Vaticanums

Kardinal-König-Preisträger Helmut Krätzl, der in wenigen Wochen seinen 84. Geburtstag feiert, zählt zu den angesehensten Repräsentanten der katholischen Kirche in Österreich. 1931 in Wien geboren, studierte er in seiner Heimatstadt Wien Theologie und wurde am 29. Juni 1954 von Kardinal Theodor Innitzer zum Priester geweiht. 1960 begleitete er Kardinal Franz König als Zeremoniär auf dem Weg zum Begräbnis von Kardinal Alojzije Stepinac; beim Autounfall auf dieser Reise wurde er ebenso wie der Kardinal schwer verletzt. 1964 erwarb Krätzl an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sein zweites Doktorat in Kirchenrecht. Als "Stenograph" gewann er in dieser Zeit unmittelbare Einblicke in das Geschehen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Bei der Wiener Diözesansynode 1969/1971 ebnete Krätzl den Weg für eine Verständigung zwischen jenen Synodalen, die eine totale Gremialisierung der Kirche befürchteten, und den Anhängern einer Demokratisierung auf allen Ebenen. Kardinal König bestellte Krätzl am 1. September 1969 zum Ordinariatskanzler der Erzdiözese Wien. In dieser Funktion, die er bis 1980 innehatte, bemühte sich Krätzl vor allem um eine "praxisorientierte Handhabung" der kirchenrechtlichen Vorschriften und um die Förderung einer erneuerten Sakramentenpastoral nach den Leitlinien des Zweiten Vatikanischen Konzils.

1977 ernannte Papst Paul VI. Krätzl zum Weihbischof für die Erzdiözese Wien. Zwischen 1981 und 1985 übte er auch die Funktion des Generalvikars der Erzdiözese Wien aus. Krätzl emeritierte 2008. Zuvor war er u.a. 20 Jahre hindurch in der Österreichischen Bischofskonferenz "Schul-Bischof", und damit zuständig für den Religionsunterricht im allgemeinen, für die Privatschulen und für die Schulpolitik. Er wirkte aber auch als Pressesprecher der Bischofskonferenz und war viele Jahre für die Bereiche Ökumene, Erwachsenenbildung, Bibelwerk verantwortlich.

Patriarch Sakos mutige Kampagne gegen Islamisten

Louis Raphael I. Sako wurde am 4. Juli 1948 in Zakho (Irak), einer traditionell christlich geprägten Stadt, geboren. Als Patriarch von Babylon ist er seit 2013 Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, die mit dem Papst in voller Kirchengemeinschaft steht.

Sako studierte in Rom und Paris. 1974 wurde er zum Priester geweiht. Er war Regens des chaldäischen Priesterseminars in Bagdad. Im Jahr 2002 wurde er zum Erzbischof der Erdölmetropole Kirkuk gewählt. Am 14. November 2003 wurde er in Kirkuk zum Bischof geweiht. Einer der Mitkonsekratoren war der damalige Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, der später zum Märtyrer werden sollte. Vom Beginn seiner bischöflichen Tätigkeit an war Sako stets um interreligiöse Verständigung, um Versöhnung und Dialog bemüht. Im Jahr 2010 erhielt er den Friedenspreis der internationalen katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" für seine jahrelange interreligiöse Friedensarbeit in Kirkuk.

Am 1. Februar 2013 wurde Sako von der Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche zum Patriarchen gewählt. Im Juli 2014 initiierte er eine Kampagne gegen jene Islamisten, die die Christen des Landes zwingen wollen, entweder zu konvertieren, eine Sondersteuer (Djizia) zu zahlen oder aber getötet zu werden.