Einen "Sprung nach vorn" erhofft sich die "Pfarrer-Initiative" in mehrfacher Hinsicht durch die am Sonntag, 4. Oktober 2015, in Rom beginnende Weltbischofssynode zu Ehe und Familie. Vorsitzender Pfarrer Helmut Schüller nannte bei einer Pressekonferenz die Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene, eine Wertschätzung auch für homosexuelle Partnerschaften sowie das Zugeständnis, dass Paare in verantworteter Elternschaft die Zahl ihrer Kinder selbst bestimmen, als Themenbereiche, wo "Bewegung" höchst wünschenswert sei. Die beiden anderen Vorstandsmitglieder der Pfarrer-Initiative, Bernhard Kranebitter aus Lienz und Hans-Peter Premur aus Krumpendorf, nannten eine kirchenlehramtliche Würdigung des gebildeten Gewissens als Kriterium, ob die Synode als Erfolg zu werten sein werde.
Auf die Anfrage von "Kathpress", ob er die Synode als "Lackmustest" für die Reformbereitschaft und -fähigkeit der katholischen Kirche im Pontifikat von Franziskus sehe, antwortete Schüller: Ein einzelner Mann könne auch an der Spitze der Kirchen nicht einfach "den Schalter umlegen" in Richtung Erneuerung. Es sei eine kirchengeschichtlich neue Situation, dass ein Papst für die Umsetzung seiner Erneuerungsideen auch Unterstützung von der Basis brauche. Die Pfarrer-Initiative befinde sich durch Franziskus in der überraschenden Situation, Rückenwind durch päpstliche Impulse zu spüren, "das war bisher nicht üblich". Nun gelte es manchmal "die Bischöfe an das zu erinnern, was der Papst gesagt hat".
Auch wenn die Bischofssynode nicht zu den erhofften Ergebnissen führen sollte, will Schüller die Hoffnung auf anschließende Reformimpulse nicht völlig abschreiben: Vielleicht würden sich dann einzelne Bischöfe "aus der Deckung wagen", für möglich hielte der Pfarre von Probstdorf (Niederösterreich/Erzdiözese Wien) auch, dass Ortskirchen eigene seelsorgliche Wege beschreiten, jenseits von weltkirchlicher Uniformität.
In Bezug auf Pfarrgemeinden und deren Leitung wiederholte Schüller die bekannten Positionen der Pfarrer-Initiative: Statt Gemeinden zusammenzulegen und die Zahl verfügbarer Priester zum Maßstab kirchlicher Strukturen zu machen, wäre eine Öffnung des Priesteramtes für bisher ausgeschlossene Gruppen notwendig: Verheiratete und Frauen. Die Pfarrer-Initiative plädiert auch dafür, fähige Leute aus der jeweiligen Pfarrgemeinde mit deren Leitung zu betrauen.
Diese Anliegen habe die Pfarrer-Initiative auch in einem Brief an Papst Franziskus in Rom deponiert, teilte Schüller mit. Das Schreiben sei angekommen, in welchem Dikasterium es derzeit bearbeitet wird, wisse man aber nicht.
Der zur Diözese Innsbruck gehörende Dekan Bernhard Kranebitter berichtete von dem im Zuge der Synode gestarteten Prozess "Kirche hört zu - Was Liebende ihr zu sagen haben" in seiner Lienzer Pfarre. Dabei hätten sich auch Schwule und Geschiedene eingebracht und Realitäten aufgezeigt, denen die Kirche oft hinterherhinke. In mancher Hinsicht gelte es wieder aufzuschließen zu den Menschen - und auch zu Gott, der immer bei den Menschen sei, wie Kranebitter betonte. Er hofft, dass bei der Synode der Mensch als Beziehungswesen im Mittelpunkt steht und nicht bloß zu beurteilende Formen von Sexualität.
Über die derzeit viele Pfarrgemeinden herausfordernde Frage der Flüchtlingshilfe äußerte sich Hans-Peter Premur, Hochschulseelsorger in Klagenfurt und Pfarrer in Krumpendorf, wo im Juni eine große Zeltstadt als Notquartier entstanden war. In der Tourismusgemeinde am Wörthersee sei es gelungen, durch Vernetzung unterschiedlicher Gruppen "proaktiv auf Flüchtlinge zuzugehen"; die Pfarre habe etwa mit der muslimischen Jugend, mit Altkatholiken, Atheisten, Öko-Gruppen und auch mit Politikern kooperiert. Neben der Versorgung mit dem Nötigsten habe es auch interreligiöse Gebete gegeben, erzählte Premur; die Taufe eines vom Islam konvertierten Mauretaniers nach entsprechendem Katechumenat habe sonst wenig beachtete Themen wie die Dreifaltigkeit öffentlich zum Thema gemacht.
"Das bringt Leben in die Bude", so das bisherige Resümee des Pfarrers zur Flüchtlingswelle. Für ihn überraschend sei in Kärnten "die Zivilgesellschaft erwacht" - mit der Kirche als wichtiger Akteurin. Ausländerfeindliche "Reflexe" seien dabei weitgehend ausgeblieben.