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06.10.2015
Aktion am 7. Oktober

Katholische Arbeitnehmer werben für 30-Stunden-Woche

"Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung" fordert anlässlich des "Welttages für menschenwürdige Arbeit" faire Verteilung der Erwerbsarbeit.

Anlässlich des "Welttages für menschenwürdige Arbeit" am 7. Oktober bekräftigt die "Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung" Österreich (KABÖ) ihre Forderung nach einer Reduktion der Normalarbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche. Ohne eine solche Maßnahme werde "nie wieder eine Vollbeschäftigung zu erreichen sein", hieß es am Dienstag, 6. Oktober 2015 in einer Aussendung.

 

Info-Kampagne in Fabriken, Werkstätten, Büros

Nachdruck verleiht die KABÖ ihrer Forderung am 7. Oktober mit einer Info-Kampagne in Österreichs Fabriken, Werkstätten, Büros und Handelsgesellschaften. Glückwunschkarten mit der Aufschrift "Einen guten Arbeitstag!" sollen in den Betrieben auf das Anliegen der Bewegung aufmerksam machen.

 

Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung von vielen Arbeitnehmern und Ungleichheit von Arbeit und Erwerbsarbeit machten eine kollektive Arbeitszeitverkürzung und die schrittweise Einführung einer 30-Stunden-Woche immer dringlicher. Bei der Umsetzung der Maßnahmen sieht die Arbeitnehmerbewegung die gesamte Gesellschaft gefordert, wünscht sich aber auch eine breite Unterstützung durch Politik, Sozial- und Umweltorganisationen sowie die Kirche.

 

Mögliche positive Auswirkung auf aktuelle Herausforderungen

Positiv könnte sich eine faire Verteilung des Erwerbsarbeitsvolumens auch auf die Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme auswirken, meint die KABÖ. "Denn jeder Mensch benötigt für ein Leben in Würde auch einen angemessenen Arbeitsplatz. So könnte eine allgemeine Verkürzung der Normalarbeitszeit dazu beitragen, gerade Menschen in dieser speziellen Not die Integration in unsere Gesellschaft zu erleichtern."

 

Schließlich betreffe die Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung auch die Vereinbarkeit zwischen Berufsleben und gesellschaftlichen Ansprüche. Fragen der Gesundheit, Kindererziehung, Lebens- und Freizeitqualität sowie der Vermeidung psychischer Erkrankungen müssten mehr in den Fokus gerückt werden.

 

Den "Welttag für menschenwürdige Arbeit" hat die "Internationale Arbeitsorganisation" (IOL) ins Leben gerufen, um für Grundrechte in der Arbeit einzutreten. Für die UN-Organisation beinhaltet menschenwürdige Arbeit unter anderem ein angemessenes Einkommen, Sicherheit am Arbeitsplatz, sozialen Schutz für Familien, die Beteiligung an Entscheidungen, die das Leben beeinflussen sowie Chancengleichheit und die Gleichbehandlung von Frauen und Männern.

 

KA und Arbeitnehmerbewegung der Erzdiözese Wien fordern Neuverteilung von Arbeit

 

Angesichts hohen Leistungsdrucks mit seelischer und körperlicher Belastung, prekären Arbeitsverhältnissen und über 370.000 Arbeitslosen sei eine Veränderung der Verteilung von Arbeit dringend notwendig, betonen die Katholische Aktion (KA) der Erzdiözese Wien und die Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB) in einem Folder, der am Mittwoch, 7. Oktober in Wien und dem östlichen Niederösterreich in Geschäften, Betrieben und auf Pendlerbahnhöfen verteilt wurde.

 

An der Verteilaktion unter dem Motto "Wir wünschen einen guten Arbeitstag" beteiligten sich mit Franz Scharl und Stephan Turnovszky auch die beiden Wiener Weihbischöfe sowie Bischofsvikar Rupert Stadler, die das Thema bereits zuvor in Briefen an die Pfarren aufgeworfen hatten. Turnovszky warnte vor einem Zerfall der Gesellschaft: Die einen seien arbeitslos und würden nicht mehr gebraucht, andere wiederum würden "arbeiten bis zum Umfallen" und dabei mit stundenlangem Pendeln, Stress, Mobbing, Angst um den Arbeitsplatz und Burnout kämpfen. Nach biblischem Verständnis müsse jedoch gelten, "dass die Arbeit für den Menschen da ist, nicht umgekehrt".

 

Auch ein gelegentliches "Danke" vom Kunden oder vom Arbeitgeber für eine erbrachte Leistung gehöre zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen dazu, erklärte Weihbischof Scharl. "Ein nettes Wort und ein freundliches Lächeln brauchen die Menschen viel mehr als nur technischen Fortschritt." Bischofsvikar Stadler hob das Ziel der Arbeit hervor: Sie diene in erster Linie der Versorgung und damit zur Ermöglichung eines "freien Lebens".

 

Arbeitszeitverteilung und Steuergerechtigkeit sind aus Sicht von KA und KAB die beiden Schlüsselthemen für Menschenwürde in der Arbeitswelt. Eine Veranstaltungsreihe soll in den nächsten Wochen das Thema weiterführen, darunter eine Diskussion zum Thema "Klima schützen - Arbeit gerecht teilen - Überfluss besteuern" am 19. Oktober im Wiener Cafe Griensteidl, ein Impulsabend zu "Arbeit - Energie - Umfeld" u.a. mit Bischof Alois Schwarz im Wiener Neustädter Bildungszentrum St. Bernhard am selben Tag sowie ein Vortragsabend im Bildungshaus Schloss Großrussbach am 27. November zum Thema "Arm trotz Arbeit", u.a. mit dem Soziologen Nikolaus Dimmel.