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13.10.2015

Erste Deutschstunde für Flüchtlinge am Stephansplatz

Erzdiözese Wien stellt Unterkunft für Asylwerber und bietet Deutschkurs mit zwei pensionierten Lehrerinnen.

Seit etwa vier Wochen wohnen Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan am Stephansplatz, im Pressesaal der katholischen Kirche, dem sogenannten "Club Stephansplatz 4". Die Erzdiözese Wien hatte dort zunächst ein Notquartier eingerichtet. Die 22 Männer, die derzeit im "Club 4" untergebracht sind, haben bereits einen Antrag auf Asyl in Österreich gestellt. Sie warten jetzt auf ihren Asylbescheid - und sie wollen Deutsch lernen.

 

Der von der Erzdiözese Wien organisiert Deutschkurs startet am Dienstag, 13. Oktober 2015. Grundlage des Kurses ist Lern-Material des Österreichischen Integraionsfonds. Zwei pensionierte Lehrerinnen halten den Unterricht. Vor der ersten Deutschstunde, am Dienstagvormittag sind sie ein wenig aufgeregt. "Wir haben ganz andere Gegenstände unterrichtet. Deutschunterricht zu geben, das ist für uns auch neu. Wir sind mit ein bisschen Lampenfieber hier", sagt Heide Slatef. Sie hat früher an einer Tourismusschule unterrichtet. Jetzt ist sie 74 Jahre alt, und hat keine Enkelkinder, aber viel Zeit. "Ich musste in Frühpension gehen, weil mein Mann ein Pflegefall wurde. Also bin ich unfreiwillig in Pension gegangen", erzählt Slatef. Sie habe immer sehr gerne unterrichtet und freut sich, jetzt für die Flüchtlinge etwas tun zu können.

 

Wie spricht man "Muhammad" aus?

Wenige Minuten später sitzen die jungen Männer in den Bänken. Die erste Deutschstunde beginnt. Die beiden Lehrerinnen teilen Namensschilder aus und rufen jeden mit seinem arabischen Namen auf. Dabei geht ein Schmunzeln geht durch die Reihen. Die Aussprache des Namens Muhammad ist den Lehrerinnen noch nicht vertraut.

 

Arabische Schriftzeichen

Einige der Flüchtlinge verstehen etwas Englisch. Die meisten kennen nur die arabischen Schriftzeichen. Das ist eine große Herausforderung, stellt die ehemalige Biologie-Lehrerin Johanna Hainz fest. Die Männer im Kurs würden fast alle die lateinische Schrift nicht beherrschen, daher könnten sie auch kein deutsches Wort lesen, erklärt sie.

 

Motiv: Nächstenliebe

Johanna Hainz ist seit eineinhalb Monaten Pension. In ihrer neugewonnen Freizeit will sie nun wieder unterrichten, ehrenamtlich. Ihr Motiv sei Nächstenliebe, sagt sie. "Die vielen Flüchtlinge, die zu uns nach Österreich gekommen sind, können uns nicht kalt lassen. So habe ich mich entschieden aktiv zu werden, eben in der Form des Deutschunterrichts."

 

Theologische Kurse stellen Räume zur Verfügung

Zweimal pro Woche, einen Vormittag lang wird nun am Stephansplatz die Schulbank gedrückt. Die Unterrichtsräume für den Deutschkurs am Stephansplatz stellt das Institut "Theologische Kurse" kostenlos zur Verfügung. "Das ist unser kleiner Beitrag", so der Leiter der Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, denn Deutsch zu lernen, sei jetzt eines der dringendsten Dinge, die die Flüchtlinge hier am Stephanplatz brauchen.