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14.10.2015

"Sensus fidei" beim Thema Scheidung berücksichtigen

Moraltheologin Walser: Wenn Synode den "Glaubenssinn der Gläubigen" nicht berücksichtigt, wäre das enttäuschend

Der "sensus fidei" - der Glaubenssinn des Kirchenvolkes - hat nach Überzeugung der Moraltheologin Angelika Walser eine theologische Qualität, die vom kirchlichen Lehramt z.B. beim Thema Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene aufgegriffen werden müsste. Zwei auf Wunsch des Papstes im Vorfeld der Bischofssynode durchgeführte Befragungen unter den Katholiken in aller Welt seien diesbezüglich "eindeutig" befürwortend ausgefallen. "Wenn nun nach einem derart großen, weltweiten Anlauf bei der Synode nichts herauskäme, wäre ich sehr enttäuscht", sagte Walser in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Ausgabe Dienstag, 13. Oktober 2015).

 

Angelika Walser, die sich an der Universität Wien im Fachbereich "Theologische Ethik" habilitiert hat, ist seit September 2015 Professorin für Moraltheologie an der Universität Salzburg.

 

Kein "Freibrief für Scheidungen"

Würden Wiederverheiratete generell von den Sakramenten ausgeschlossen, wäre dies eine "Moral gegen Menschen" und stünde im Widerspruch zur Botschaft Jesu, erklärte die Theologin. Freilich könne daraus auch kein "Freibrief für Scheidungen" abgeleitet werden.

 

Es braucht "lebensförderliche" Moral

Walser rief zur Achtsamkeit auf, "dass Barmherzigkeit nicht als seelsorgliche Soße missverstanden wird, die ich über alles gieße nach dem Motto: Die Gesetze bleiben, aber im Einzelfall sind wir ein bisschen barmherzig." Barmherzigkeit meine vielmehr die "lebensspendende Kraft Gottes", die neues Leben und einen neuen Anfang ermögliche. Demgemäß habe die Kirche eine Moral zu verkünden, "die lebensförderlich ist".

 

Drei neue Professorinnen an Uni Salzburg

Angelika Walser ist eine von drei Theologinnen, die seit Beginn des Wintersemester einen Lehrstuhl an der Salzburger Theologischen Fakultät innehaben. Damit gingen drei der vier neu besetzten Professuren in Salzburg an Frauen - neben Moraltheologie auch Altes Testament und Religionswissenschaft. Angelika Walser sieht diese Tatsache als Signal seitens der Fakultät, dass Frauen in der Theologie mehr mitreden. "Wenn das ein Trend ist, begrüße ich ihn."