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14.10.2015

Die Menschen sind halt neugierig - Geschichte der Wiener KirchenZeitung nach 1945

Prälat Josef Rittsteuer erinnert sich an 70 Jahre Zeitungsgeschichte

Nach vielen Jahren ohne kirchliche Nachrichten war der ,Hunger‘ nach Informationen aus der Weltkirche groß“, erzählt der heute 101-jährige Prälat Josef Rittsteuer.

 

Damals wirkte der 1939 zum Priester Geweihte als junger Pfarrer in Wolfau im Südburgenland, später in Kleinfrauenhaid.  „Außerdem waren die Leute neugierig, was sich in der ‚Apostolischen Administratur  Burgenland‘, in Wien oder in den umliegenden Pfarren nach dem Krieg so tat.“

 


Die enge Zusammenarbeit zwischen Wien und dem Burgenland führte dazu, dass unser „St. Martins-Bote“ die ersten zwei Jahre als Beilage zum Wiener Kirchenblatt erschien, bevor er 1947 eine eigenständige Zeitung wurde, erzählt Rittsteuer. 

 

Modernisierungsbestrebungen und wirtschaftliche Überlegungen hatten aber zu Folge, dass er 1966 von der „Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt“ abgelöst wurde, die bis zum Jahr 2010 in enger Kooperation mit der Wiener Kirchenzeitung entstand.

 

Nach dem plötzlichen Unfalltod des burgenländischen Chefredakteurs Prälat Johannes Kodatsch 1969 übernahm Rittsteuer die Leitung der Redaktion und führte sie rund 20 Jahre lang. (Seit fünf Jahren erscheint sie unter dem Titel „martinus“ in Kooperation mit den Kirchen-Zeitungen aus Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg).

 

Mit der Gründung der Katholischen Aktion und ihren Teilorganisationen, spätestens aber mit dem II. Vatikanischen Konzils, begann Ende der 1960er Jahre die Zeit der Laien.

 

Und damit drängten immer mehr kirchliche Nachrichten ins Kirchenblatt, das sich weiterhin auch um seinen katechetischen Auftrag bemühte. „Eine spannende Zeit“, erinnert sich Rittsteuer, „geprägt von einer kirchlichen Aufbruchstimmung, die sich auch in der Zeitung widerspiegelte. Ich habe mich aber immer darum bemüht, dabei auch nicht den Blick auf Rom und die Kirche in aller Welt zu verlieren.“


Heute gäbe es viele Möglichkeiten, an kirchliche Informationen zu gelangen, nicht zuletzt über das Internet, aber die Leute interessierten sich weit weniger dafür als früher, meint Rittsteuer.

 

Auf die Frage, ob es da noch einen Platz für die Kirchen-Zeitung gibt, meint er: „Die Zeit ist schnelllebiger geworden, aber die Leute brauchen etwas, an das sie sich anhalten können. Da hat unser Martinus oder der SONNTAG auch weiterhin seine Berechtigung“.