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15.10.2015
Interview mit "Paris Match"

UN-Klimagipfel: Papst fordert in Interview "konkrete Beschlüsse"

Zur Vorbereitung auf den UN-Gipfel wurde Papstenzyklika "Laudato si" jetzt auch auf russisch übersetzt.

Papst Franziskus hat in einem am Donnerstag, 15. Oktober 2015 auszugsweise online veröffentlichten Interview für das Magazin "Paris Match" die Bedeutung des in sechs Wochen beginnenden UN-Klimagipfels in der französischen Hauptstadt (United Nations Framework Convention on Climate Change/COP21) und an seine Öko-Enzyklika "Laudato si" erinnert.

 

„Beschlüsse für Gemeinwohl“

"Ich hoffe, dass 'COP21' zu konkreten Beschlüssen führt, die von allen geteilt werden, die zukunftsweisend sind und dem Gemeinwohl dienen", sagte er in dem Interview, das er am Rande der Bischofssynode gab.

 

Anlass für das Gespräch bildete die am Sonntag stattfindende Heiligsprechung des französischen Ehepaares Louis und Zelie Martin, zu der u.a. Ministerpräsident Manuel Valls erwartet wird.

Zur Vorbereitung auf "COP21" ist die Papstenzyklika "Laudato si" jetzt auch auf russisch übersetzt worden, wie die Stiftung "Pro Oriente" am Donnerstag berichtete. Sie kann somit jetzt auch von den russischen Regierungsvertretern zur Vorbereitung auf Paris verwertet werden.

Der Verlag der Franziskaner in Moskau war für die Übersetzung zuständig. "Wir sind zufrieden, dass die russische Leserschaft nun die Möglichkeit hat, den Papst nicht nur über das Fernsehen kennenzulernen, sondern sich auch direkt mit seinen auf russisch übersetzten Gedanken befassen kann", sagte der Direktor des Verlages, P. Nikolai Dubinin. Bisher kam es nicht häufig vor, dass ein Text des Papstes in russischer Sprache erschienen ist.

Die UNO-Klimakonferenz startet Ende November in Paris. In Wien werden am kommenden Samstag, 17. Oktober, 10 Uhr, auf dem Stephansplatz die ökumenischen Klimapilger verabschiedet. Den Reisesegen erteilen die Bischöfe Ludwig Schwarz und Arsenios Kardamakis sowie Superintendent Hansjörg Lein.



„Christen sollen zum Realismus neigen“

Papst Franziskus betonte im "Paris Match"-Interview auch, dass Christen "zum Realismus, aber nicht zum Katastrophismus" neigen sollten. "Gerade deshalb können wir etwas Offensichtliches nicht leugnen: Das globale System ist nicht haltbar. Unser gemeinsames Haus ist vergiftet, es geht immer weiter den Bach 'runter. Wir brauchen deshalb den Einsatz aller. Wir müssen den Menschen vor der Selbstzerstörung bewahren", so der argentinische Papst. Gefragt seien neue "Modalitäten für Entwicklung, damit so viele Frauen, Männer und Kinder, die jetzt an Hunger, Ausbeutung, Kriegen oder Arbeitslosigkeit leiden, in Würde leben und aufwachsen können".

Der Papst wiederholte auch seine Kritik am Wirtschaftssystem. "Kapitalismus und Profit sind keineswegs teuflisch - es sei denn, man verwandelt sie in Götzen. Das sind sie nicht, solange sie Werkzeuge bleiben. Wenn hingegen Geld und Profit um jeden Preis zu Fetischen werden, denen geopfert wird, wenn die Gier die Basis unseres sozialen und wirtschaftlichen Systems ist, dann laufen unsere Gesellschaften ins Verderben." Der Mensch und die Schöpfung dürften nicht "im Dienst am Geld" stehen; "die Folgen dessen, was da geschieht, sind doch offensichtlich".