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18.10.2015
Heiligsprechung der Eltern von Therese von Lisieux

Papst spricht Ehepaar heilig und warnt vor Karrierismus in Kirche

Franziskus erhebt bei Messe auf dem Petersplatz die Eltern der heiligen Therese von Liseux, die Franzosen Louis und Zelie Martin "zur Ehre der Altäre".

Papst Franziskus hat erstmals in der katholischen Kirche ein Ehepaar für die Vorbildlichkeit seiner Ehe heiliggesprochen. Bei einer Messe auf dem Petersplatz in Rom nahm er am Sonntag, 18. Oktober 2015 insgesamt vier Glaubenszeugen in den Heiligenkalender auf, darunter die Eltern der heiligen Therese von Liseux, die Franzosen Louis (1823-1894) und Zelie Martin (1831-1877).

 

Vor mehreren Zehntausend Gläubigen würdigte er sie für ihren in der Familie gelebten christlichen Dienst, "indem sie Tag für Tag eine Umgebung voller Glauben und Liebe aufbauten". Einen großen Teil seiner Predigt widmete Franziskus einer weiteren Botschaft: In deutlichen Worten erinnerte er daran, dass weltliches Machtstreben in der katholischen Kirche keinen Platz haben dürfe.

"Unvereinbar sind Ehrgeiz und Karrierismus mit der Nachfolge Christi", sagte Franziskus mit Blick auf das Sonntagsevangelium über das Thema "Macht und Dienst". Er rief dazu auf, "den Instinkt des Herrschens über die anderen auszurotten und die Tugend der Demut zu üben". Der Wunsch nach irdischen Ehren und Triumphen, nach Erfolg und Ruhm passe nicht zur Logik des Todes Jesu am Kreuz. "In der christlichen Gemeinschaft ist der Stil der Autorität das Dienen ist", sagte der Papst. Wahre Autorität habe in der Kirche nur derjenige, der den anderen diene und kein weltliches Ansehen genieße. Dies habe Jesus durch sein Vorbild klar zum Ausdruck gebracht. "Lasst uns zu 'Kanälen' seiner Liebe, seines Mitleids werden, besonders gegenüber denen, die sich in Situationen des Schmerzes, der Angst, der Entmutigung und der Einsamkeit befinden", wandte sich Franziskus an die Gläubigen.


Neue Heilige lebten geforderte Demut

Neben dem Ehepaar Martin erhob Franziskus bei der Messe vor Beginn der letzten Woche der Bischofssynode über Ehe und Familie auch den italienischen Priester Vincenzo Grossi (1845-1917) und die spanische Ordensfrau Maria Isabella Salvat Romero (1926-1998) "zur Ehre der Altäre". Sie alle hätten die geforderte Demut gegenüber ihren Mitmenschen in außergewöhnlicher Weise gelebt, ihnen gedient "und so ihren göttlichen Meister nachgeahmt".

Louis Martin wie auch Zelie Martin, geborene Guerin, wollten ursprünglich Ordensleute werden, wurden jedoch abgewiesen. Sie lebten in einer für Frankreich innenpolitisch überaus turbulenten Zeit, als Napoleon III. zum Rücktritt gedrängt wurde und die - agnostisch-antikirchliche - Dritte Republik proklamiert wurde. Louis Martin war Juwelier und Uhrmacher Louis Martin und seine Verlobte Zelie war Spitzenerzeugerin. Beide stammten aus religiösen Familien.

Die 1858 eingegangene Ehe, der neun Kinder entstammten, musste mehrere Prüfungen durchstehen: Drei Kinder starben im Kleinkindalter, ein Mädchen mit fünf Jahren; übrig blieben fünf Töchter, die teilweise auch von schweren Krankheiten heimgesucht wurden. Als die Mutter Zelie 1877 mit nur 46 Jahren an einem Brusttumor starb, zog der Witwer mit seinen Töchtern nach Lisieux und widmete sich ganz deren Erziehung.

Alle Töchter folgten, vom Vater unterstützt, der Berufung zum Ordenseintritt. Die Eltern hätten das christliche Klima dafür geschaffen, dass diese Berufungen aufkeimen konnten, hob Franziskus am Sonntag hervor.

Reliquien der beiden neuen Heiligen wurden bei der Heiligsprechungsmesse von einem italienischen Bub und einem spanischen Mädchen zum Altarbereich getragen. Die Kinder waren nach kirchlicher Überzeugung auf Fürsprache der Martins und auf medizinisch unerklärliche Weise von schweren Defekten kurz nach ihrer Geburt geheilt worden.


Grossi, Romero: "Leuchtendes Zeugnis"

Der italienische Priester Grossi gründete 1885 das "Institut der Schwestern des Oratoriums", das sich besonders dem Dienst für bedürftige Jugendliche widmet. Der Papst lobte ihn als "barmherzigen Samariter", der immer die Bedürfnisse der ihm Anvertrauten im Auge hatte.

Die Spanierin Grossi , genannt Maria von der Unbefleckten Empfängnis und seit 1977 Generaloberin der Schwestern der Gesellschaft vom Kreuz, habe sich in großer Demut dem Dienst an den "Letzten" gewidmet, vor allem den Kindern armer und kranker Eltern, so Franziskus. "Das leuchtende Zeugnis dieser neuen Heiligen spornt uns an, auf dem Weg des frohen Dienstes an den Mitmenschen beharrlich voranzuschreiten, im Vertrauen auf die Hilfe Gottes und den mütterlichen Schutz Marias", sagte der Papst.

 

Papst fordert Ende des Konflikts im Heiligen Land

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern bereite ihm große Sorge, sagte Franziskus bei seinem Angelus-Gebet am Schluss einer Messe auf dem Petersplatz. "In diesem Moment braucht es viel Mut und viel Seelenkraft, um Nein zu sagen zu Hass und Rache und um Gesten des Friedens zu zeigen", so Franziskus. Gerade vor dem Hintergrund der kritischen Gesamtlage im Nahen Osten brauche das Heilige Land den Frieden. Er rief zum Gebet dafür auf, dass die Herrschenden wie der einzelne Bürger der Gewalt entsagen und "konkrete Schritte der Entspannung" unternehmen.