50 Jahre nach Veröffentlichung des Konzilsdokuments "Nostra aetate" hat Papst Franziskus zur Zusammenarbeit aller Religionen für Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. "Die Welt blickt auf uns Gläubige", sagte er bei einer Feierstunde im Rahmen seiner Generalaudienz am Mittwoch, 28. Oktober 2015 auf dem Petersplatz.
Die vielen globalen Probleme wie Kriege und Konflikte, die Gewalt im Namen der Religion, Hunger und Umweltzerstörung oder die Krise der Familie verlangten das gemeinsame Handeln aller Glaubensrichtungen, so der Papst vor Tausenden auf dem Petersplatz. Unter ihnen waren auch zahlreiche Vertreter anderer Religionen, die an einem großen vatikanischen Dialogkongress in der Gregoriana teilnehmen.
Die "Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" (Nostra aetate), formuliert vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), wurde von Papst Paul VI. am 28. Oktober 1965 rechtskräftig verkündet. Sie anerkennt Wahres und Heiliges in den anderen Religionen und betont die bleibende göttliche Erwählung des Judentums, in dem das Christentum wurzele. Dies markierte eine Abkehr der römisch-katholischen Kirche von ihrem bisherigen exklusiven und insbesondere antijüdisch definierten Absolutheitsanspruch.
"Nostra aetate" sei bis heute aktuell, hob der Papst hervor. Zugleich verwies er auf große Fortschritte im interreligiösen Dialog der vergangenen 50 Jahre und verwies auf Meilensteine wie das erste Friedenstreffen in Assisi 1986 und die Rede von Papst Johannes Paul II. vor muslimischen Jugendlichen im Jahr zuvor. Besonders würdigte Franziskus die Entwicklung der christlich-jüdischen Beziehungen. Beide Religionen hätte vor 50 Jahren Ja zueinander gesagt. Die Kirche habe gleichzeitig Nein gesagt zu Antisemitismus und Diskriminierung.
Der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, bezeichnete das Konzilsdokument bei der Feierstunde als die "Magna Charta" für das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Judentum. Dies gelte umso mehr in Zeiten eines wieder erstarkenden Antisemitismus in der Welt. Kochs Behörde ist die vatikanische Kommission für die Beziehungen mit dem Judentum angeschlossen.
Der Präsident des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, äußerte die Hoffnung, dass die Religionen im Bemühen um den Frieden in der Welt weitere Fortschritte erzielen. Dabei sei Papst Franziskus ein "leuchtender Zeuge" und unermüdlicher Streiter im Kampf gegen Gewalt und Konflikte.
Franziskus rief bei der Generalaudienz auch zur Hilfe für die Erdbebenopfer im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf. Den Betroffenen möge es nicht an "konkreter Solidarität" fehlen, sagte er. Die Gläubigen rief er auf, für die Toten, Verletzten und Angehörigen zu beten. Bei dem Beben der Stärke 7,5 am Montag starben nach offiziellen Angaben mindestens 350 Menschen, mehr als 1.600 wurden