Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer wieder mehrere christliche und jüdische Organisationen gemeinsam die "Bedenktage"-Reihe "Mechaye Hametim - Der die Toten auferweckt".
In Erinnerung an die Ereignisse vor 77 Jahren finden bis 11. November 2015 zahlreiche religiöse, wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen statt. Im Zentrum steht ein ökumenischer Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche am 9. November. Beginn ist um 19 Uhr. Die Worte des Gedenkens spricht Erzabt Asztrik Varszegi von der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma. Anschließend ist ein Schweigemarsch zum Mahnmal für die jüdischen Opfer der Schoa auf dem Judenplatz vorgesehen.
In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 wurden im gesamten deutschen Machtbereich Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte sowie Wohnungen zerstört und verwüstet. Zahlreiche Juden wurden bei den Pogromen getötet oder verletzt. Allein in Wien wurden im Zuge der Pogrome insgesamt 42 Synagogen und Bethäuser zerstört. 6.547 Wiener Juden kamen in Haft, knapp unter 4.000 davon wurden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.
Am Mittwoch, 4. November, geht Oliver Achilles von den Theologischen Kursen Wien antijüdischen Stereotypen in der heutigen Bibelauslegung nach. Seit der Antike ist die Abwertung des Judentums in der christlichen Bibelauslegung Gang und Gäbe. Archilles fragt nach, wie weit solche Stereotypen auch heute noch wirksam sind. Der Vortrag beginnt um 18.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Theologischen Kurse.
Speziell an Kinder und Jugendliche richtete sich am Donnerstag, 5. November, ein Seminar im christlich-jüdischen Informationszentrum. Die Germanistin Maria-Rita Helten-Pacher legt anhand des Tagebuchs der Anne Frank einen altersgerechten Zugang für Kinder und Jugendliche zum Holocaust und zu Terror und Gewalt. Beginn ist um 15 Uhr. Ab 19 Uhr spricht im Otto Mauer-Zentrum die Schriftstellerin und Journalistin Susanne Scholl mit dem Wiener Publizisten Maximilian Gottschlich über "Die Christen und den neuen Antisemitismus". Als Leitfaden dient Gottschlichs neues Buch "Unerlöste Schatten".
Der Historiker und Skandinavist Thomas Pammer stellt am Freitag, 6. November, sein Buch zum Thema "Dem Holocaust entronnen - Schwedische Hilfstätigkeit in Wien während der Hitlerzeit" vor. Pammer hat die autobiografischen Aufzeichnungen des schwedischen Pfarrers Göte Hedenquist ins Deutsche übersetzt und wissenschaftlich kommentiert. Die Materialien legen Zeugnis ab von der großen Leistung, die Mitarbeitende der Schwedischen Israelmission in der Wiener Seegasse in den Jahren ab 1938 leisteten, um rassisch Verfolgten zur Flucht zu verhelfen. Beginn ist um 19 Uhr im Albert Schweitzer Haus.
Den Abschluss macht am Mittwoch, 11. November, ein Vortrag und Gespräch zur "Vertreibung von jüdischen Studierenden der Wiener Hochschule für Welthandel nach 1938". Präsentiert werden die Forschungsergebnisse von Johannes Koll, Leiter des Archivs der Wirtschaftsuniversität Wien. Otto Friedrich von der Wochenzeitung "Die Furche" interviewt im Anschluss den Zeitzeugen und Absolventen der Wiener Hochschule, Heinz Kienzl. Beginn ist um 19 Uhr im Otto Mauer-Zentrum.