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Tyrolia
09.11.2015

Im Glauben erwachsen werden

„Wider den kirchlichen Narzissmus“: Ein spirituell-politisches Plädoyer von Bischof Scheuer.

Papst Franziskus kritisiert immer wieder eine um sich selbst kreisende Kirche, die sich selbst genug ist und die in „theologischen Narzissmus“ verfällt, so seine Diagnose.

 

 

Die mythologische Gestalt des Narziss ist in das eigene Spiegelbild verliebt, „kann auf nichts anderes und niemanden anderen mehr achten als auf sich selbst“, schreibt der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer in seinem Buch „Wider den kirchlichen Narzissmus. Ein spirituell-politisches Plädoyer“ (Tyrolia-Verlag).

 

Für den österreichischen Caritas-Bischof ist eine offene Spiritualität entscheidend; weiters eine Caritas, die anpackt, sowie ein Herz, Kopf und Sinne weitendes Gehen an die Ränder des Lebens und Denkens.


In fünf großen Kapiteln entfaltet Scheuer das Programm einer spirituell-politischen Kirche:

 

  1. Migrationsbewegungen fordern heraus („Vergesst die Gastfreundschaft nicht“ – Hebräer-Brief 13,2),
  2. Sozialethische Kritik und die Armut als Grundhaltung („Neige dem Armen dein Ohr zu“ – Jesus Sirach 4,8),
  3. Vom Umgang mit Macht, Autorität, Politik und Gedächtnis („Bei euch soll es nicht so sein“ – Matthäusevangelium 20,26),
  4. Religiöse Bildung schafft Orientierungswissen („Gib deinem Knecht ein hörendes Herz“ – 1 Könige 3,9) und
  5. Auftrag und Nachfolge („Ihr aber seid lebendige Steine“ – Erster Petrus-Brief 2,5).

 

Im Abschnitt „Je religiöser, desto dümmer“ weist Scheuer  nach, dass das Christentum einen Bildungsauftrag seit den Anfängen der Kirche hat, dem es auf vielfach erfolgreiche Weise nachgekommen ist und nachkommt.

 

Auch für Scheuer geht es letztlich darum, was Papst Benedikt XVI. vor seiner Papstwahl gesagt hat: Dass die Christen im Glauben erwachsen werden müssen.