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09.11.2015

Große Ordensregeln sind "Schule der Menschlichkeit"

Schönborn würdigte Wirken der Ordensgemeinschaften und forderte Solidarität angesichts der Flüchtlingswelle

An das Wiedererstehen des Stiftes Klosterneuburg vor 70 Jahren und an das segensreiche Wirken der Ordensgemeinschaften in der Erzdiözese Wien hat Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 8. November 2015, bei der 111. Männerwallfahrt nach Klosterneuburg erinnert. An dem traditionellen Großereignis der Wiener Katholischen Männerbewegung zum Grab des heiligen Leopold nach Klosterneuburg - diesmal unter dem Motto "Gleichheit und Würde" - nahmen wieder Tausende Männer aus allen Teilen der Erzdiözese Wien teil. Die großen Ordensregeln der Benediktiner oder Franziskaner nannte der Wiener Erzbischof "eine Schule der Menschlichkeit".

 

Evangelium ist die Ur-Regel

"Das Evangelium ist die Ur-Regel", betonte der Kardinal, es ist "die" Lebens-Regel, die Jesus uns gegeben habe. Die große Kraft der darauf aufbauenden Ordensregeln sei ungebrochen. An der Benedikt-Regel orientierten sich bis heute Managementkurse, die Regel des heiligen Franz von Assisi mit ihrer Zuwendung zur Schöpfung und zu den Notleidenden habe durch Papst Franziskus eine neue Aktualität erfahren. Das Wirken der Barmherzigen Brüder habe das öffentliche Spitalswesen mitgeprägt, die Regel der Taizé-Gemeinschaft wiederum fasziniere besonders junge Menschen. Den gastgebenden Augustiner-Chorherren des Stiftes Klosterneuburg dankte Schönborn besonders für ihr seelsorgliches Engagement.

Jesus habe seine sogenannte "Goldene Regel" positiv formuliert, wies Kardinal Schönborn mit Blick auf die Flüchtlingswelle hin: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Auch er selbst sei 1945 mit seiner Familie als Flüchtling nach Österreich gekommen: "Wie dankbar waren wir, dass Menschen, Familien zusammengerückt sind. Das war auch nicht immer leicht für sie, aber sie haben es getan." Angesichts der gegenwärtigen politischen Lage - der steigenden Arbeitslosigkeit und der schwierigen wirtschaftlichen Lage - "werden wir auch heute zusammenrücken müssen", sagte der Kardinal. Solidarität sei notwendig, sie stärke den Zusammenhalt.


Vorbehalte gegen "levelling up"

Zum Wallfahrtsmotto "Gleichheit und Würde" ging Schönborn auf das "levelling up" - die Ausweitung des Diskriminierungsschutzes - beim Gleichbehandlungsgesetz ein, gegen das sich die Bischöfe gewehrt haben. Die angepeilte Einschränkung der Vertragsfreiheit wäre ein "tiefer Eingriff in die bürgerlichen und zivilen Rechte", warnte der Kardinal. Im Hinblick auf die "Homo-Ehe" sei er dankbar, dass "bisher ein maßvoller Weg" gegangen worden sei. Es sei vielleicht aufgefallen, dass die Bischofskonferenz gegen das Partnerschaftsgesetz "keine wesentlichen Einsprüche erhoben" habe, denn "es ist legitim, dass Menschen ihre zivilrechtlichen Dinge regeln können".

Österreichs Bischöfe hätten sich aber entschieden dagegen gewehrt, die Homo-Partnerschaften mit der Ehe gleichzustellen. "Es geht nicht darum, über persönliche Entscheidungen von Menschen zu richten, aber darum, die Ehe als grundlegende Institution zu schützen", betonte der Wiener Erzbischof.