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09.11.2015

Der Kardinal auf Schwyzerdütsch

Kardinal Schönborn zu Gast im "Wohnzimmer" des Adoray Festivals in der Schweiz. Hier zum nachhören.

16 Jahre hat Kardinal Schönborn in Freiburg in der Schweiz gelebt, daher war es kein Problem für ihn, das Gespräch beim Adoray Festival in der Schweiz, am Samstag, 7. November 2015, auf Schwyzerdütsch zu halten. Von 1975 bis 1991 war er Professor in der Schweiz. Er habe immer versucht, seinen Studenten die Schönheit des katholischen Glaubens zu vermitteln, erklärte er im teilweise sehr persönlichen Gespräch.

 

Da läuft etwas verkehrt

Neun Stunden ist Kardinal Schönborn in die Schweiz mit dem Nachtzug angereist, was den Moderator zur Frage veranlasste, warum er so gerne Zug fahre. Schönborn erklärte, dass er die Fliegerei schon aus Umweltgründen zu vermeiden suche und daher versuche, so oft wie möglich mit dem Zug zu fahren: "Wenn ich nicht fliege, ändert sich nichts an der Verschmutzung des Himmels, aber für mich ist es doch ein Zeichen. Der Wahnsinn ist, dass der Zug mehr kostet als der Flug. Da läuft etwas ganz verkehrt."

 

Flucht und Vertreibung

3 Millionen Menschen wurden 1945 aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden. So auch die Familie Kardinal Schönborns. Der Wiener Erzbischof erzählte von der Flucht mit seiner Mutter und seinem Bruder, die sie nach vielen Jahren nach Vorarlberg geführt habe, das für die Vertriebenen Heimat geworden ist. Was auch sein großes Verständnis und Mitgefühl für die heutigen Flüchtlinge bedinge.

 

Glaube bietet Heilung

Im Weiteren ging es im einstündigen Gespräch um Ehe, Scheidung und Wiederheirat und die zu Ende gegangene Weltbischofssynode. "Wenn Kinder erleben, dass die Eltern sich lieben, ist es das Heilsamste, dass es für Kinder gibt. Das ist für mich wichtiger als all die Diskussionen, die es jetzt über die Familiensynode gibt", so der Kardinal, der aus seinem eigenen Leben erzählt: "Es gibt eine Chance, das ist der Glaube und wir haben in der Familie erlebt, wie der Glaube die Wunden heilt. Es bleiben die Narben. Ich sage immer: Den Konflikt der Eltern, den trägst du dein Leben lang als Wunde, aber es gibt die Heilung. Ich habe das wunderbar erlebt mit meinen Geschwistern. Wir sind alle ganz tief im Glauben."

 

Früh für das Kloster entschieden

Kardinal Schönborn erzählte im Folgenden amüsant von seiner frühen Entscheidung, ins Kloster zu gehen. Welche Regel könnte man anwenden, um eine verantwortungsvolle Entscheidung für sein Leben zu treffen?, wurde der Kardinal gefragt. Ein Tipp, der auch ihm geholfen habe war, nicht nur am Sonntag, sondern ganz regelmäßig in die Kirche zu gehen. Es sei ein ganz persönlicher Kontakt mit Jesus gewesen. Dazu kam noch, dass er jedes Monat beichten gegangen sei. Das sei eine gute Vorbereitung für seine Lebensentscheidung gewesen.