Vor 50 Jahren unterzeichneten 40 Bischöfe in Rom am Rande des Zweiten Vatikanischen Konzils ein Dokument, das als "Katakombenpakt" in die Kirchengeschichte eingegangen ist und in dem sie sich zu einem bescheidenen Lebensstil und zum vorrangigen Dienst an den Armen verpflichteten.
Am 16. November 1965, drei Wochen vor dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, trafen sich 40 Bischöfe in den Domitilla-Katakomben außerhalb Roms, um einen 13 Punkte umfassenden Pakt zu unterzeichnen. Mit diesem Pakt wollten die Unterzeichner damals dem Wort von der "Kirche der Armen" von Papst Johannes XXIII. Rechnung tragen. In dem Text wird unter anderem ein Verzicht auf jeglichen Reichtum bekundet und das Bekenntnis abgelegt, alles Nötige für den apostolisch-pastoralen Dienst an den Armen zu leisten.
Wörtlich heißt es in dem Pakt: "Wir werden uns bemühen, so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel und allem, was sich daraus ergibt." Oder: "Wir verzichten ein für allemal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) und in unseren Amtsinsignien, die nicht aus kostbarem Metall - weder Gold noch Silber - gemacht sein dürfen, sondern wahrhaft und wirklich dem Evangelium entsprechen müssen."
Für den "apostolisch-pastoralen Dienst an den wirtschaftlich Bedrängten, Benachteiligten oder Unterentwickelten" wollen die Bischöfe "alles zu Verfügung stellen, was notwendig ist an Zeit, Gedanken und Überlegungen, Mitempfinden oder materiellen Mitteln, ohne dadurch anderen Menschen und Gruppen in der Diözese zu schaden". Zugleich halten die Bischöfe fest: "Wir werden in unserem Verhalten und in unseren gesellschaftlichen Beziehungen jeden Eindruck vermeiden, der den Anschein erwecken könnte, wir würden Reiche und Mächtige privilegiert, vorrangig oder bevorzugt behandeln (z.B. bei Gottesdiensten und bei gesellschaftlichen Zusammenkünften, als Gäste oder Gastgeber)."
Nach der Unterzeichnung waren die 40 Bischöfe mit dem Text durch die Konzilsaula gegangen und überzeugten 500 weitere Bischöfe davon, den Text zu unterzeichnen.
Treibende Kräfte dieses Paktes waren u.a. Helder Camara (1909-1999), damals frisch ernannter Erzbischof von Olinda und Recife in Brasilien, und Bischof Manuel Larrain von Talca/Chile (1900-1966), zu dieser Zeit Vorsitzender des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Zu den Erstunterzeichnern gehörten der spätere Kardinal Aloisio Lorscheider als Bischof von Santo Angelo/Brasilien, Bischof Leonidas Proano von Riobamba/Ecuador, Bolognas Kardinal Giacomo Lercaro und sein Weihbischof Luigi Bettazzi sowie der Essener Weihbischof Julius Angerhausen.