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18.11.2015

Gottes Verherrlichung in der Musik: "Mein liebstes Werk der Kirchenmusik"

Der SONNTAG befragte Musikerinnen und Musiker nach ihrem Lieblingswerk der sakralen Musik.

Haydns „Missa in Tempore Belli“

Als langjähriger Leiterin des Haydn-Chores St. Ägyd in Gumpendorf, der Einsegnungskirche von Joseph Haydn, steht mir dieser auch musikalisch sehr nahe. Unter seinen großartigen Messen beeindruckt mich besonders die „Missa in Tempore Belli“ (in Kriegszeiten), auch „Paukenmesse“ genannt.

 

Zum einen ist sie gleichermaßen von Innigkeit wie auch Dramatik durchdrungen, zum anderen verbinde ich mit dieser Messe auch unvergessene Aufführungen in politisch schwierigen Zeiten in Laibach (Juni 1991, kurz vor dem 10-Tage Krieg) und Krakau (Mai 1992).

Prof. Christa Dworak- Leitzmüller

 

 

 

Das Requiem von Johannes Brahms

Am meisten berührt und innerlich begleitet hat mich das Requiem von Johannes Brahms. Die mitreißende, in hohem Maß textausdeutende Musik zieht den Zuhörer in einen emotionalen Wirbel, der sich von der sanften Melodie von „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras…“ bis zu den markanten und Gänsehaut bescherenden Siegesposaunen der Auferstehung entwickelt.

 

Wer kann sich dem Siegesjubel von „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ entziehen? Im ruhigen „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben“ wird auch musikalisch der versprochene Trost des Anfangs für „jene, die da Leid tragen“, erfüllt. Eine berührende Glaubensaussage von einem, der sich selbst nicht unbedingt zu den Gläubigen zählte…

Sr. Johanna Kobale

 

 

 

„Ein deutsches Requiem“ von Brahms

Mein allerliebstes unter meinen liebsten Stücken ist jenes, das mich zur Zeit am intensivsten beschäftigt. Aktuell „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Es handelt sich nicht um eine traditionelle Totenmesse für die Verstorbenen, sondern um eine Tröstungsmusik.

 

Ich kenne keine eindringlichere Vertonung der rhetorischen Frage „Tod, wo  ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ (Kor 1) Wenn diese Stelle hinüberführt zu „Herr, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft“, so kann ich sagen, dass für mich die Grundfeste unseres Glaubens, das Geheimnis des Triumphes des Lebens über den Tod emotional niemals so greifbar wird, wie beim Erleben dieser Musik.

Daniel Mair

 

 

 

„O come, let us sing“ von William Byrd

Zu den schönsten Werken der Kirchenmusik gehört für mich eine Vertonung von Psalm 96: „O come, let us sing“ von William Byrd. Er wirkte am englischen Hof und schrieb, obwohl selbst Katholik, auch für die anglikanische Liturgie. Die Komposition ist als Invitatorium für den Morgengottesdienst gedacht.

 

Byrd versteht es, meditative Ruhe mit sanften Rhythmen zu verbinden, als würde er die Seelen der Hörer behutsam wecken wollen und sie nicht ohne eine kleine Portion Freude in den Tag schicken wollen.

Konstantin Reymaier

 

 

 

Mozarts „Requiem"

„Lacrimosa Dies illa  qua resurget ex favilla judicandus homo reus”. An dieser Stelle  endet die Handschrift Mozarts, 14 Tage später auch sein irdisches Dasein, und die wohl berühmteste Totenmesse bleibt ein Fragment, ein Sinnbild für das Unvollendete in unserem Leben; dem gläubigen Menschen spendet diese Musik Trost in der Trauer und Gewissheit auf die Vollendung in Gott.

 

Neben der geheimnisvollen Entstehungsgeschichte – Mozart schuf das Werk für einen anonymen Auftraggeber – begeistern mich vor allem die kunstvolle Tonsprache, die geistige Tiefe und die Symbolkraft seiner Klangrede.  

Herbert Gasser

 

 

 

Bruckners „Te Deum"

Ein Stück, das mich seit vielen Jahren begleitet ist das „Te Deum“ von Anton Bruckner. Ein gewaltiges Werk, ein kraftvolles musikalisches Gotteslob eines Komponisten, der in sein Lob das ganze Universum einzubinden versucht. Bruckner macht aus seinem Glauben und seinem Vertrauen auf Gott keinen Hehl und fordert den Hörenden heraus, es genauso zu tun.

 

Der letzte Satz des Te Deum-Textes ist besonders kunstvoll entfaltet: „Auf dich Herr vertraue ich, in Ewigkeit möge ich nicht zuschanden werden“. Immer wieder begeistert mich diese Musik, hebt mich über meine alltäglichen Befindlichkeiten hinweg und fordert mich auf, überzeugend Kirchenmusiker zu sein.

Markus Landerer

 

 

 

J. S. Bachs Klangpredigt

Ich habe eine Vorliebe für die Kirchenmusik des J. S. Bach. Weil hier wird die Musik zur leidenschaftlich polyphonalen Theologie.

 

Wenn etwa im Duett „Wir eilen mit schwachen doch emsigen Schritten“ aus der Kantate 78 die Singstimmen sich anfangs im Kanon nacheilen und von den aufstrebenden kleinen „emsigen“ und kurzen „schwachen“ Bassschritten begleitet werden, dann ist dies wirklich eine kunstvolle Klangpredigt.

Johannes Lenius

 

 

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