Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz am Mittwoch, 18. November 2015 auf dem Petersplatz die Missachtung der UN-Kinderrechtskonvention angeprangert. Er rief die Regierungen der Staaten aus Anlass des UN-Kinderrechtstages am 20. November auf, sicherzustellen, dass jeder Bub und jedes Mädchen Zugang zu Bildung hat und vor Ausbeutung geschützt ist.
"Mein Wunsch ist, dass die internationale Gemeinschaft ihr Augenmerk darauf richtet, wie die Lebensbedingungen der kleinen Bürgerinnen und Bürger sind. Insbesondere trifft das für die Fälle zu, wo sie der Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt sind", so Franziskus wörtlich. Er hob die Verpflichtung der politisch Verantwortlichen hervor, "den Familien zu helfen, damit jeder Bub und jedes Mädchen das Recht auf Schulbildung verwirklichen" könne.
Der Papst erinnerte an die vielen Formen der Ausbeutung von Kindern. Der für Menschenrechtsfragen zuständige Kardinal Peter Turkson hatte dazu erklärt, obwohl die meisten Staaten der Kinderschutzkonvention beigetreten seien, litten Kinder nach wie vor unter Gewalt und Ausbeutung, unter anderem durch die Zunahme von Kinderpornographie, Kinderprostitution, Zwangsehen und Menschenhandel und Cybermobbing.
Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Convention on the Rights of the Child/CRC) wurde am 20. November 1989 von der UN-Generalversammlung angenommen und trat am 2. September 1990 in Kraft. Beim Weltkindergipfel vom 29. bis 30. September 1990 in New York verpflichteten sich Regierungsvertreter aus der ganzen Welt zur Anerkennung der Konvention. Der Kinderrechtskonvention sind mehr Staaten beigetreten als allen anderen UN-Konventionen, nämlich alle Mitgliedsstaaten mit Ausnahme von den USA. Einige der 195 Staaten haben die Konvention zwar ratifiziert, erklärten allerdings Vorbehalte, darunter war zunächst auch Österreich.
Bei der Generalaudienz begrüßte Franziskus auch Vertreter der polnischen Solidarnosc, die in den 1980er-Jahren den Widerstand gegen das kommunistische Regime maßgeblich angeführt hatte. Seit 35 Jahren stehe Solidarnosc für die Verteidigung von Arbeits- und Grundrechten, so Franziskus. Er vertraute sie dem Schutz ihres Patrons, des seligen Jerzy Popieluszko (1947-1984), an. Der Pfarrer wurde wegen seiner oppositionellen Haltung vom polnischen Staatssicherheitsdienst ermordet.
In seiner Audienzkatechese warnte der Papst vor einer in sich verschlossenen Kirche. Die Kirche darf ihre Türen nach den Worten von Papst Franziskus vor niemandem verschließen. "Die Kirche ist Pförtnerin des Hauses des Herrn, nicht die Hausherrin", sagte er auf dem Petersplatz. "Eine ungastliche Kirche ist wie eine in sich verschlossene Familie, die das Evangelium beschämt und die Welt austrocknet." Franziskus äußerte sich mit Blick auf das Heilige Jahr, das er am 8. Dezember mit Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom feierlich einläutet.
Gott verschließe seine Türen niemals, und Jesus Christus öffne sie für die Menschen am Anfang und Ende des Lebens. "Wenn wir auf seine Stimme hören, sind wir sicher, sind wir gerettet. Wir können ohne Angst eintreten und ohne Gefahr hinausgehen", so der Papst. Durch die Tür des Herrn gelangten auch die "verlorenen Schafe" zum Heil, betonte der Papst. Der Durchgang dürfe aber nicht "mit Gewalt" erfolgen, wie auch Gott den Zugang zu den Menschen nicht erzwinge.