Zum Internationalen Tages der Kinderrechte, 20. November kritisieren eine Reihe von Nichtregierungsorganisationen, dass die Kinderrechte auch in Österreich immer noch nicht vollständig umgesetzt sind. Im Fokus stehen dabei vor allem Flüchtlingskinder. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) hätten ein Recht darauf, jene Fürsorge und Betreuung zu erhalten, die ihnen laut UN-Kinderrechtskonvention zustehen, kritisierte beispielsweise Eva Kern, Geschäftsführerin des Don-Bosco-Flüchtlingswerkes, in einer Aussendung am Donnerstag, 19. November 2015: "Leider sind minderjährige Flüchtlinge noch immer Kinder zweiter Klasse."
Eva Kern: "Die fragwürdigen medizinischen Altersfeststellungen, die Ungleichstellung bei der Betreuung, das ungelöste Problem der Obsorge und die Diskriminierung bei der Ausbildung sind nur einige Punkte, bei denen die Kinderrechte massiv missachtet werden." Bildung sei ein Kinderrecht. Besonders schwierig sei die Bildungssituation für minderjährige Flüchtlinge, die nicht mehr schulpflichtig sind. Es fehle an Deutschkursen und allgemeinen Bildungs- und Integrationsangeboten. Ein Bildungsfahrplan und ein frühes Clearing für junge Flüchtlinge wären laut Flüchtlingswerk wichtig.
Die Verschärfung des Asylrechts sieht Kern als Rückschritt: "Asyl auf Zeit heißt für junge Flüchtlinge nach einem ohnehin schon langen Asylverfahren nochmals drei Jahre Ungewissheit." Die fatalen Folgen seien Schwierigkeiten bei der Lehrplatzsuche, Perspektivenlosigkeit und Verzweiflung.
Die Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" begrüßte in einer Aussendung am Donnerstag den im Rahmen der Bildungsreform angekündigten "Bildungskompass" für alle Kinder ab 3,5 Jahren, forderte zugleich aber auch dessen systematische Anwendung für alle minderjährigen Flüchtlinge, die in Österreich bleiben wollen. "Der Bildungskompass soll garantieren, dass kein Kind zurückbleibt und dass alle Bildungsmaßnahmen auf seinen individuellen Förderbedarf zugeschnitten werden - das ist auch im Umgang mit jugendlichen Flüchtlingen von zentraler Bedeutung", so "Jugend Eine Welt"-Vorsitzender Reinhard Heiserer.
Zudem empfahl die Hilfsorganisation den schnellstmöglichen Ausbau von telefonischen Beratungs- und Notruf-Angeboten für Jugendliche wie "Rat auf Draht", die künftig auch in den Sprachen der größten Asylwerbergruppen angeboten werden sollten.
Noch immer seien rund 2.500 geflüchtete Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmezentren und Großquartieren untergebracht - die wenigsten wüssten, wie es mit ihnen weitergeht. Sie bräuchten ebenso verstärkte Beratungsangebote und Zugang zu anonymen Notruf-Hotlines in ihrer jeweiligen Muttersprache wie Flüchtlingskinder und Jugendliche, die sich im Familienverband bzw. in kleineren Betreuungsquartieren und Pflegefamilien befinden.
Reinhard Heiserer: "Viele der Kinder und Jugendlichen, die zu uns geflüchtet sind, haben Schreckliches erlebt. Viele sind verzweifelt und wissen nicht, an wen sie sich mit ihren Sorgen wenden können." Es wäre nicht nur ein wichtiger Schritt in Hinblick auf ihre Integration in der österreichischen Gesellschaft, sondern sei vor allem ein Gebot der Menschlichkeit, ihnen ebenso wie österreichischen Kindern und Jugendlichen die Chance auf kompetente, leicht erreichbare, kostenlose und anonyme Beratung in ihrer Muttersprache zu geben, so Heiserer.
Eine Kampagne der Katholischen Jungschar ruft dieser Tage das Gewaltverbot gegenüber Kindern in Erinnerung. "In Österreich ist jegliche Form der Gewaltanwendung in der Erziehung von Kindern verboten. Seit 2011 steht dieses zentrale Kinderrecht sogar im Verfassungsrang, und trotzdem rechtfertigen Personen tagtäglich Übergriffe auf Kinder als Erziehungsmittel. Keinem Kind darf körperliches oder seelisches Leid zugefügt werden", so Anneliese Schütz, Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar Österreichs, in einer Aussendung am Donnerstag.
Die Jungschar wolle mit ihrer alljährlichen österreichweiten Bewusstseinskampagne rund um den 20. November Menschen erreichen, denen die Tragweite der Kinderrechte noch nicht klar ist: "Wir stehen auf der Seite der Kinder und wollen ihre Rechte dort einfordern, wo Kinder selbst nicht gehört werden. Die Kinderrechte sind Pflichten der Erwachsenen gegenüber den Kindern. Viel zu oft wird im alltäglichen Miteinander das Kind nicht als Subjekt, als Gegenüber auf Augenhöhe behandelt", beklagte Schütz.
Rund um den 20. November verteilen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Katholischen Jungschar in ganz Österreich Infomaterial und kleine Geschenke.