Nun ist es amtlich! Der Bischofsvikar Dariusz Schutzki hat den neuen „Entwicklungsraum“ entlang der U6, bestehend aus den Pfarren Alterlaa, Neuerlaa und Siebenhirten, bestätigt. Nach zwei Jahren intensiver Beratungen zwischen den einzelnen Pfarren, folgt nun der nächste Schritt im diözesanen Strukturentwicklungsprozess. „Entwicklungsraum“ ist ein etwas technischer, bürokratischer Ausdruck. Ich möchte versuchen diesem Begriff ein bisschen Leben einzuhauchen. Beginnen möchte ich mit dem ersten Teil des Wortes, der Entwicklung.
„Da wird´s wohl an Wickel geben.“ Das Wort „Wickel“ steht im Wienerischen für Streit, Ärger, Ungemach. Bestimmt wird es bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Pfarren und mitwirkenden Personen bestimmt das ein oder andere Mal Meinungsverschiedenheiten geben.
Doch Entwicklung hat immer auch etwas mit Kultur zu tun. Und so hoffe ich, dass wir auf diesem Weg eine gute Streit-Kultur zeigen. Natürlich fällt mir das Wort „wickeln“ ein, vor allem in Zusammenhang mit Babys wickeln. Ein Baby zu wickeln hat etwas mit Fürsorge zu tun. Die gemeinsame Sorge um unseren Glauben, die Botschaft Jesu und die kirchliche Gemeinschaft, sollte bei allem Planen und Entwickeln im Vordergrund stehen. „Ent-wickeln“ kann man auch im Sinne von auswickeln, von etwas lösen, erlösen, befreien sehen.
Vielleicht gibt es den einen oder anderen Bereich in unserer Kirche, wo wir in unseren Strukturen und Gewohnheiten, in unserem Denken gefangen sind. Verknotungen, Verstrickungen die hinderlich sind und die entfernt werden müssen. Entwickeln hat aber auch etwas mit Wachstum zu tun. Damit etwas wachsen, reifen kann, braucht es Zeit, Geduld und vor allem die richtigen Rahmenbedingungen.
Der Prozess, bis aus den drei Pfarren, aus dem Entwicklungsraum eine Pfarre NEU entstehen kann, braucht auch genügend Zeit. Wir dürfen nichts überstürzen und vor jedem weiteren Schritt müssen wir uns fragen, ob allen Beteiligten Richtung und Ziel klar ist. Kirche ist kein Konzern, den man soeben schnell man umstrukturieren kann.
Der zweite Wortteil ist der Raum. Damit aus drei Räumen einer werden kann, muss man bildlich gesprochen erst Mauern und Wände einreißen. Vielleicht gibt es da aber tragende Mauern, Stützwände, die einzureißen gefährlich wäre. Es braucht alte und neue Stützen, Säulen die oben und unten einander verbinden und halten. Neue Räume, entstehen auch dort, wo man aus alten Räumen Unnötiges weg-räumt und so Platz für Neues schafft.
Entwicklungsraum – Raum für Entwicklung. Wenn wir ihn behutsam und miteinander gestalten, kann er uns zur Chance und zum Neuanfang werden, zur großen, schönen, lichtdurchfluteten Halle, wo jeder seinen Platz findet.