Die Bomben und Terrorangriffe von Paris, Kairo, Bagdad und Afrika können das immer stärkere Bewusstsein eines "Global village" und des Nachbar-Seins nicht schwächen: Davon hat sich Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag, 19. November 2015, überzeugt gezeigt. Der Wiener Erzbischof äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion im Wiener König-Abdullah-Dialogzentrum (KAICIID) über "Interreligiöse Beziehungen 50 Jahre nach dem II. Vaticanum". Anlass dazu gab der 50. Jahrestag der Konzilserklärung "Nostra aetate".
Der Dialog sei für gläubige Menschen unabdingbar, betonte der Schönborn. "Jedes menschliche Wesen hat einen Sensus für das Göttliche. Es gibt gemeinsame Kennzeichen für religiöse Erfahrung", hob der Kardinal hervor. Er selbst habe dies bei seinen ersten Besuchen eines jüdischen Tempels und einer Moschee sehr stark gefühlt.
Gläubige Menschen wüssten auch, dass sie sich für das irdische Leben verantworten müssten, so der Erzbischof, der in diesem Punkt auf die Umweltfrage und auf den Einsatz für Frieden und Versöhnung als Beispiele verwies. "Wir können hier voneinander lernen, und wir haben gemeinsame Verantwortung", resümierte der Kardinal.
Der Pariser orthodoxe Metropolit Emanuel (Adamakis) ging auf das beklemmende Gefühl ein, das er beim Abflug von Paris nach Wien gehabt habe. Der Flughafen sei leer gewesen, die Stimmung in der Stadt überaus gedämpft. Doch die orthodoxen Christen in aller Welt wüssten, dass die Religion nicht das Trennende sei. "Es waren Angriffe auf die Zivilisation von Menschen, die keinerlei Zivilisation haben. Es waren Angriffe im Namen der Religion von Menschen, die keinerlei Religion haben." Es gebe keine Religion auf der Welt, die sagt "du sollst den anderen töten, um glücklich zu sein", so Adamakis.
Bereits im Vorfeld hatte das KAICIID angesichts der Pariser Attentate die Gläubigen der Weltreligionen zu Solidarität und zur gemeinsamen Verurteilung von Gewalt im Namen von Religion aufgerufen. Keine Religion dulde Vorurteile, Gewalt oder Terrorismus, vielmehr strebe jede Religion ein friedvolles Zusammenleben an.