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20.11.2015

Weltklimagipfel: Kirche will "gerechtes, verbindliches Abkommen"

Klare Bischofsappelle auf Österreich-, Europa- und Weltebene für Klimaschutz, nachhaltigen Lebensstil und Stärkung armer Länder

Ein "gerechtes und verbindliches Klimaschutzabkommen": Mit diesem Anliegen haben sich zahlreiche Kirchenvertreter in den vergangenen Tagen eindringlich an die Staatschefs gewandt, die von 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris einen neuen Vertrag über die Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase verhandeln wollen. Parallel dazu will die Kirche auch zu einem sozial- und umweltverträglichen Lebensstil beitragen, wie zahlreiche Selbstverpflichtungen zeigen. Rückendeckung dafür gibt es von Papst Franziskus, der in seiner jüngsten Enzyklika "Laudato si" das Umweltthema zur "Chefsache" erklärt hat.

So forderten etwa die österreichischen Bischöfe in der Vorwoche die heimischen Politiker zum Eintreten für eine Begrenzung der durchschnittlichen Erderwärmung auf 1,5 Grad auf, weiters zur Aufstockung der internationalen Mittel für die Klimawandel-Anpassung sowie zu ambitionierterem Klimaschutz im Inland. Um diesem auch innerhalb der Kirche noch mehr Nachdruck zu verleihen, wurden als konkrete Maßnahmen für die Diözesen Nachhaltigkeits-Leitlinien, eine Klimaschutz- und Energiestrategie sowie eine öko-soziale Beschaffungsordnung angekündigt.

 

Erster gemeinsamer Appell

Wie ernst und weltumspannend der Aufruf ist, zeigte nur Tage zuvor der historisch erste gemeinsame Appell der Vorsitzenden aller kontinentalen Bischofskonferenzen. Die Kardinäle sprachen sich darin für eine strikte Begrenzung der Erderwärmung und die Festschreibung der Umstellung auf eine CO2-neutrale Wirtschaft bis 2050 aus. Auf fossile Brennstoffe sollte künftig völlig verzichtet und "klimakompatible Lebensstile" entwickelt werden, hieß es in dem vom Erzbischof von Mumbai, Oswald Gracias, präsentierten Dokument. Der Text wies einen sozialen Schwerpunkt auf: In der Klimaschutzpolitik sollten arme Länder besonders berücksichtigt werden.

Auf Europa-Ebene hatte der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Reinhard Marx, das Anliegen unterstrichen. Durchaus hätten die Kirche und die Christen genügend "Kraft und Kreativität" für alternative Lebensstile, um damit die gesamte Gesellschaft zu inspirieren. Wichtig sei es dafür, "nicht nur Biotope des Glaubens, sondern auch Biotope für neue Lebensstile" zu bilden.


Pariser Rahmenprogramm mit Bartholomaios

Der Pariser Klimagipfel ist unter diesen Vorzeichen auch ein Ereignis über alle Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg. Bereits im September startete in vielen Ländern Europas - darunter auch Österreich - ein "ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" Richtung Paris, wo in der Kathedrale von Saint-Denis am 28. November ein Abschlussfeier u.a. mit Kurienkardinal Peter Turkson und Weltkirchenrats-Generalsekretär Olav Fykse Tveit vorgesehen ist.

Zahlreiche Nebenveranstaltungen mit Kirchenbeteiligung - erwartet wird dabei auch der "grüne Patriarch" Bartholomaios I. - zeigen zudem Alternativen in der Wirtschaft, Politik und Lebensführung auf. Ein "Climate March" am 29. November in vielen Städten soll dem weltweiten Anliegen Ausdruck verleihen. Das geplante Pariser Hauptevent muss aufgrund der jüngsten Terrorakte ausfallen, auch die Abhaltung anderer Großveranstaltungen des Rahmenprogramms ist derzeit noch ungewiss.


Bisherige Verpflichtungen nicht ausreichend

Die Staats- und Regierungschefs werden bei der Klimakonferenz ein Nachfolgeabkommen für den Klimavertrag von Kyoto aus dem Jahr 1997 verhandeln. Angestrebt wird dabei, die Erderwärmung durch Reduktionen der Treibhausgas-Ausstößen auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau zu Beginn des Industriezeitalters um 1850 zu begrenzen. Bei ungebremsten Emissionen befürchten Wissenschaftler einen Temperaturanstieg über 4,5 Grad mit dramatischen Folgen wie Versteppungen, Anstieg des Meeresspiegels, schweren Unwettern und großen Migrationen von Klimaflüchtlingen.

Dass die Verringerung klimaschädlicher Treibhausgase trotz mancher Fortschritte noch einen Zahn zulegen muss, zeigte Ende Oktober ein UNO-Bericht: Die bisher von 140 Ländern bekanntgegebenen Selbstverpflichtungen im Rahmen von Klima-Aktionsplänen reichen noch nicht aus zu einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad. Sei auch eine Emissionsreduktion von vier Gigatonnen bis 2030 erreichbar, würde die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts dennoch um 2,7 Grad steigen.