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20.11.2015

St. Nikolausstiftung: Kindergarten-Reform braucht mehr Personal

Kritik an der Bildungsreform: Vorschläge zur Potenzialanalyse bei Vierjährigen.

Viel Kritik hat die St. Nikolausstiftung der Erzdiözese Wien an der diese Woche präsentierten Bildungsreform geübt. So erfreut man bei dem kirchlichen Kindergärten-Träger auch darüber sei, dass der Kindergarten nun endlich als Bildungseinrichtung gilt, bleibe dennoch vieles ungeklärt, und es sei fraglich, ob die Reformen unter den heutigen Rahmenbedingungen umgesetzt werden können, erklärte Stiftungs-Geschäftsführer Elmar Walter am Freitag per Aussendung. Die vorgeschlagenen Neuerungen seien offensichtlich "von Personen geplant, die den Kindergarten nur von außen kennen".

 

Ein Gespräch reicht nicht

Die im Rahmen des Bildungskompasses vorgeschlagene "Potenzialanalyse" vor Kindergarteneintritt sei im Kindergarten "sowohl inhaltlich als auch mit dem derzeitigen Personalschlüssel einfach nicht machbar", kritisierte die pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung, Susanna Haas. Fragwürdig sei eine Umsetzung auch aus Sicht des Kindes, das noch nicht "Kindergartenkind" ist: Da Reaktionen von Kindern in fremder Umgebung oftmals schwierig zu deuten sind, sei ein einziges Gespräch nicht ausreichen für eine seriöse Einschätzung.

Gleichermaßen kritisch beurteilte Haas die vorgesehene "Opt-out-Möglichkeit", wonach die Verpflichtung für das zweite Kindergartenjahr nach drei Monaten Kindergartenbesuch, und wenn kein Förderbedarf besteht, wieder aufgehoben werden kann. Dies sei "für alle Beteiligten und vor allem für Kinder, die bereits die Eingewöhnungsphase geschafft haben, eine sehr fragwürdige Möglichkeit".

Für Kinder mit Förderbedarf bräuchten Kindergärten dringend einen besseren Pädagogen-Kind-Schlüssel und eine entsprechende Ausbildung der Pädagogen, forderte Haas. Die St. Nikolausstiftung habe hier bereits als "Vorzeigeprojekt" eine Entwicklungseinschätzung für alle Vierjährigen entwickelt, wissenschaftlich begleitet von der Universität Wien. Die Eltern würden für diese zusätzliche Leistung durch zusätzliches internes Personal extra bezahlen; ebenfalls mit zusätzlichem Personal gebe es für die Kinder der St. Nikolaus-Kindergärten auch eigene Förderungen im Rahmen des Kindergartens.


Portfolio - ein "verkleidetes Zeugnis"?

Ein "großes Fragezeichen" ortete die Expertin bei der Umsetzung des im Reformpapier geforderten Portfolio-Systems. Genauere Angaben seien hier nötig, gelte Portfolioarbeit im Kindergarten doch als eine vom Kind ausgehende Dokumentation eigener Lernschritte, die von Pädagogen unterstützt wird. Für Kinder, die wegen fehlender Ressourcen eines Pädagogen kein Portfolio für den Übergang in die Schule zustandebringen, sei "Druck bei den Pädagogen und bei den Eltern" vorherzusehen. Das Portfolio dürfe jedoch weder als Beobachtungs- und Dokumentationsinstrument der Pädagogen noch als "verkleidetes Zeugnis" verstanden werden.

Schließlich forderte die St. Nikolausstiftung, die pädagogische Ausbildung noch intensiver ins Licht von Reformen zu rücken. Aus dem bisherigen Vorschlag sei nicht ablesbar, wann und wie der fachliche Austausch zwischen Kindergarten und Schule, der für die Bildungslaufbahn der Kinder entscheidend sei, möglich gemacht werden soll.