Der ehemalige Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, Karl Korinek, ist mit dem Großen Kardinal-Innitzer-Preis 2015 ausgezeichnet worden. Kardinal Christoph Schönborn überreichte dem 74-jährigen Juristen die Auszeichnung für sein herausragendes wissenschaftliches Lebenswerk am Samstag, 21. November 2015 im Rahmen einer Feier im Wiener Erzbischöflichen Palais. Vergeben wurden zudem die Innitzer-Würdigungspreise in den Kategorien Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft und Publizistik sowie Förderpreise für acht junge Wissenschaftler.
Kardinal Schönborn überreichte die Innitzerpreise in seiner Funktion als Protektor des Innitzer-Studienfonds. In seiner Begrüßungsrede bei der Preisverleihung, an der auch der emeritierte Weihbischof Helmut Krätzl teilnahm, warb der Kardinal für ein Miteinander von Glaube und Wissenschaft. So gehörten zum einen Glaube und Wissen "untrennbar zusammen", weil "ein Glaube der auf Wissen verzichtet, wird zur Ideologie, zum Fanatismus und führt zu dramatischen Folgen, die wir in diesen Tagen erleben", sagte der Kardinal. Gleichzeitig stehe auch eine Wissenschaft, die meine, sie könne auf Glauben verzichten, "in der Gefahr Ideologie zu werden". In jeder Wissenschaft gebe es ein - wenn auch nicht immer religiös begründetes - Element von Glauben, so Schönborn. Grundlegende Forschungsannahmen seien nicht allein rational zu begründen. "Die Axiome einer Wissenschaft sind deren Voraussetzungen und nicht deren Resultate."
Der diesjährige Kardinal-Innitzer-Preisträger Korinek - er feiert am 7. Dezember seinen 75. Geburtstag - lehrte und forschte zwischen 1973 und 2003 an den Universitäten Wien und Graz sowie an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ab 1978 gehörte er dem Verfassungsgerichtshof an, von 2003 bis 2008 war er Präsident des Höchstgerichts. Der Geschäftsführer des Innitzer-Studienfonds, der Wiener Völkerrechtler Christoph Grabenwöger, würdigte Korinek in seiner Laudatio als Rechtswissenschaftler, der seine gesamte Berufslaufbahn hindurch an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis" gearbeitet habe. "Er ringt um die Rechtsfragen am Schreibtisch und hat es stets verstanden, die Ergebnisse in den Gesamtkontext der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu stellen."
Christoph Grabenwarter hob u.a. Korineks Verdienste um die Vertiefung der materiellen Seite des Grundrechtsschutzes und die Durchsetzung durch die Verfassungsgerichtsbarkeit hervor. Eine besondere Rolle komme Korinek auch in der juristischen Verarbeitung des EU-Beitritts Österreichs zu. Die unter Korineks wesentlicher Mitwirkung um die Jahrtausendwende im Europarecht eingeschlagenen Pflöcke seien "bis heute Orientierungspunkte für nachfolgende Richterngenerationen", betonte Grabenwarter.
Der Innitzer-Würdigungspreis im Bereich Naturwissenschaft ging an den am Wiener AKH und der Medizinuniversität Wien tätigen Hirnforscher Jürgen Sandkühler (58). Im Bereich Geisteswissenschaft wurde der Osteuropa-Historiker Arnold Suppan (70) ausgezeichnet. Den Würdigungspreis für seine Verdienste im Bereich wissenschaftlich fundierter Publizistik erhielt der Wissenschaftsjournalist Alwin Schönberger (47), der u.a. für das Nachrichtenmagazin "Profil" schreibt und Autor mehrerer Sachbücher sowie Gestalter von TV-Dokumentationen ist.
Der nach dem Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955) benannte Wissenschaftspreis ist eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Er wird seit 1962 vom Kardinal-Innitzer-Studienfonds der Erzdiözese Wien verliehen und vom Wissenschaftsministerium, mehreren Bundesländern, sowie von Banken, Versicherungen und der Wirtschaftskammer unterstützt. Die Liste der Preisträger liest sich wie ein "Who is who" der österreichischen Wissenschaft. Geehrt wurden u.a. Viktor Frankl, Karl Rahner, Johannes Messner, Karl Fellinger und Leopold Rosenmayr.