Ernst Fuchs war ein vielseitig begabter "Uomo universale", der ein "grandioses Lebenswerk" hinterlassen habe und selbst ein "Gesamtkunstwerk" gewesen sei. Das sagte der mit dem am 9. November verstorbenen Mitbegründer der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" verbundene Kärntner Theologe Karl Matthäus Woschitz beim Requiem am Mittwoch, 25. November 2015, im Wiener Stephansdom. Am Beispiel der von Fuchs ausgestalteten Apokalypse-Kapelle der Stadtpfarrkirche St. Egid in Klagenfurt wies der emeritierte Universitätsprofessor in seiner Predigt auf das große religiöse Interesse des "Malerfürsten" in seinem Schaffen wie auch in seinem Privatleben hin.
Fuchs sei als - gemäß Nazi-Diktion - "jüdischer Mischling ersten Grades" zum Christentum konvertiert und ein gläubiger Katholik geworden, so Woschitz. Bereits bei seiner ersten Begegnung mit dem Maler im Wartesaal des Flughafens von Tel Aviv habe Fuchs von seinem großen Lebenstraum gesprochen - nämlich die Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament künstlerisch aufzugreifen. Fuchs habe dies als seine persönliche Antwort auf die von Kant formulierte dritte große Menschheitsfrage "Was dürfen wir hoffen?" gesehen. Realisiert wurde dieser Traum dann in der Südkapelle der Klagenfurter Stadtpfarrkirche, wo Fuchs 1991 begann, an einer apokalyptischen Szenenfolge zu malen und fast 20 Jahre daran weiterarbeitete - teilweise um Gottes Lohn, wie Woschitz anmerkte. Die "Fuchs-Kapelle" wurde am 30. September 2010 von Diözesanbischof Alois Schwarz mit einem Festgottesdienst gesegnet.
"Errichten wir in unseren Herzen ein Denk- und auch ein Dankmal für Ernst Fuchs", wandte sich Woschitz an die Trauergemeinde. Und der Bibelwissenschaftler, der dem Maler bei seinem Wirken in St. Ägid theologisch beriet, zitierte die hoffnungsvolle Inschrift auf dem Grab des britischen Kardinals John Henry Newman: "Ex umbris et imaginibus in veritatem - aus Schatten und Bildern zur Wahrheit".
Hunderte Trauergäste waren zum Abschied für Ernst Fuchs in den Stephansdom gekommen. Dessen Leichnam war im Mittelgang in einem blauen Sarg mit rosaroten Blüten aufgebahrt. Das Requiem leitete Dompfarrer Toni Faber, der eingangs die Grüße und Anteilnahme des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, überbrachte. Im Dom lagen Kondolenzbücher auf. Die Beisetzung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im Familienkreis - dem Wunsch des Malers gemäß - am Hütteldorfer Friedhof, Worte des Gedenkens wird dabei der Wiener Maler Arik Brauer sprechen, der ebenfalls im Stephansdom trauerte.