Christen sollten sich nach Ansicht des emeritierten Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl Gefahren erhobenen Hauptes stellen und auch gegenüber Völkermorden oder Terrorgefahr Zuversicht und Mut zeigen: "Nicht weil wir blauäugig sind, sondern weil wir an große Zusammenhänge denken, an einen Gott glauben, der am Anfang und am Ende alles Geschehen steht und weil wir in Jesus Christus auch den Weg gelernt haben, mit Hass und Terror umzugehen", erklärte der Bischof am vergangenen Sonntag, 29. November 2015 bei der Barbara-Feier der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der OMV in Matzen.
Gegenüber den Feinden sollten sich Christen um Frieden bemühen, betonte Krätzl mit Blick auf das am 8. Dezember startende "Jahr der Barmherzigkeit". Schließlich sei die "Waffe Christi nicht Rache und Gegenschlag, sondern entwaffnende Liebe und Vergebung". Dass Kriege keine Probleme lösten, habe bereits die Vergangenheit gezeigt, so der Bischof unter Verweis auf die Irakkriege. Durchaus stehe es in der eigenen Kraft jedes einzelnen, Feindschaft, Spaltung, Unversöhnlichkeit in den engsten menschlichen Beziehungen, in Politik und sogar in der Kirche zu überwinden. Für Täter "und sogar für die Terroristen" sollte man beten, "dass ihnen bewusst wird, welches Unrecht sie tun".
Recht und Gerechtigkeit müsse dort neu erstehen, wo Weihnachten recht gefeiert wird, erklärte Krätzl; schließlich entfalte das Jahr der Barmherzigkeit gerade im Weihnachtsgeheimnis seine ganze Tiefe: "Bekommt Herbergssuche durch die Flüchtlinge nicht eine erschreckend neue Aktualität? Bekommt das vielfach beschworene Familienfest nicht ganz neue Schwestern und Brüder?" Nicht vom Ablass her, sondern von den Werken der Barmherzigkeit sei das Barmherzigkeits-Jahr zu verstehen, mache sich doch Gott gerade in den Menschen von Nebenan erkenntlich. Deshalb sei der einfühlsame Blick auf Nöte anderer nötig - auf jene der Flüchtlinge ebenso wie auf jene der 400.000 Arbeitslosen, der Kranken und Einsamen sowie auch der Arbeitskollegen und ihrer Familien.
Um dies zu verwirklichen, müsse man besonders wachsam sein und "vorurteilslos hinschauen", betonte Krätzl. Dazu gehöre, "sich selbst eine Meinung bilden, und nicht von anderen, auch den Medien suggerieren lassen. Nicht Terroristen und Flüchtlinge in einem Atemzug nennen. Nüchtern erkennen, wo mit Angst und Hass politisches Kleingeld zu machen versucht wird. Nicht aus Panik versäumen, nach den Wurzeln zu suchen, aus denen lokale Kriege, Verfolgung wachsen, Flüchtlinge ihre Heimat verlassen müssen. Jede Art billiger Verallgemeinerung vermeiden", zählte der Bischof auf.