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02.12.2015
Weltweit 300.000 katholische Schulen

„Bildung ist eine der ganz großen Stärken der Kirche"

Weltweit 300.000 katholischen Schulen mit 60 Millionen Schülern.

Der Bildungsbereich ist in Österreich wie weltweit eine der ganz großen Stärken der Katholischen Kirche. Das hat Christine Mann, Präsidentin des Europäischen Komitees für das Katholische Schulwesen (CEEC), am Mittwoch, 2. Dezember 2015 im "Kathpress"-Gespräch betont. An mehr als 300.000 katholischen Schulen weltweit würden rund 60 Millionen Schüler unterrichtet, dazu kommen 1.500 katholische Universitäten, so Mann.

 

Christine Mann nahm dieser Tage an einem internationalen Kongress der römischen Bildungskongregation teil, der mehr als 3.000 Verantwortliche des katholischen Schul- und Hochschulwesens nach Rom und Castel Gandolfo führte. Am Rande der Tagung wurde sie bei der CEEC-Generalversammlung in ihrem Amt als Präsidentin bestätigt.

 

Größtes Wachstum in Afrika

Österreich sei in der weltweiten katholischen Bildungslandschaft mit etwas mehr als 300 Schulen und - unter Einbeziehung des elementarpädagogischen Bereichs - den etwa 97.000 Kindern und Jugendlichen ein "kleines Puzzlestück", so Mann, die lange Jahre das Erzbischöfliche Schulamt in Wien leitete. Das größte und nachhaltigste Wachstum finde derzeit in Afrika statt, berichtete sie. Über 600 Orden und Kongregationen führten Schulen, deren Vielfalt hinsichtlich ihrer pädagogischen Konzepte und ihrer gelebten kontextflexiblen Praxis beeindruckend sei.

 

Auch in Ländern, in denen die Mehrheit der Bevölkerung Muslime seien, habe das katholische Schulwesen große Bedeutung und wachse. Mann: "Dass an diesen Schulen - wie in Österreich - auch islamischer Religionsunterricht stattfindet, ist keine Besonderheit."

 

Auch viele katholische Universitäten fänden sich in Ländern, in denen die Katholiken nur eine Minderheit sind. Die Universitäten könnten sich aber aufgrund ihrer Qualität großer und steigender Nachfrage erfreuen. An manchen Unis sei der Katholikenanteil sowohl unter den Studierenden als auch unter den Professoren sehr gering, das Ansehen aber sehr hoch.

 

Der Kongress im Vatikan stand unter dem Motto "Educating today and tomorrow - A renewing passion" und fand anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Veröffentlichung der Konzilserklärung "Gravissimum educationis" über die christliche Erziehung statt. Erstmalig führte er Verantwortliche des katholischen Schulwesens und der katholischen Universitäten weltweit zusammen. Kurz zuvor hatte Papst Franziskus eine eigene Bildungsstiftung ins Leben gerufen, die unter anderem auch diese Verbindung weiterhin festigen soll. "Die Existenz eigener katholischer Universitäten in einem Land fördert auch das jeweilige nationale katholische Schulwesen, da diese Unis meistens für spezifische Aus-und Fortbildung von Lehrkräften für katholische Schulen Sorge tragen", erläuterte Mann.

 

Vorzeigeprojekt KPH Wien/Krems

Christine Mann nahm in Vertretung von Kardinal Christoph Schönborn an der Tagung teil, der in der Bischofskonferenz für Schulfragen zuständig ist. Sie referierte zum Thema des interkulturellen und interreligiösen Dialogs und stellte exemplarisch die Kirchlichen Pädagogischen Hochschule in Wien/Krems vor. Diese größte österreichische Pädagogische Hochschule stelle mit ihrer ökumenischen Trägerschaft und ihren Kooperationen mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft und den Aleviten sowie ihren Gesprächen mit den jüdischen Lehrerbildungseinrichtungen in Wien ein weltweit einzigartiges Vorzeigeprojekt dar, betonte Mann. Dementsprechend groß sei auch das Interesse der Kongressteilnehmer gewesen.

 

Beeindruckt zeigte sich die CEEC-Präsidentin von Papst Franziskus. Dieser habe bei einer Audienz für die Tagungsteilnehmer seine Botschaft bekräftigt, dass die Katholische Schule, wo immer sie wirke, sich in vielfacher Hinsicht der Integration und der Inklusion zu verschreiben habe. Ein Reden und zugleich ein tagtägliches Leben von Werten der Humanität gehörten ebenso dazu, wie eine "gesamthafte Bildung von Kopf, Herz und Hand unter unbedingter Berücksichtigung der transzendenten Dimension", berichtete Mann.

 

Es gehe um eine Bildung, in der möglichst wenig selektioniert werde - zwischen mehr oder weniger klug, zwischen arm und reich, zwischen gesund und gehandicapt. Deshalb müssten die Schulverantwortlichen an die Ränder der Gesellschaft, konkret an die Peripherien der großen Städte, gehen. Dies sei allerdings kein Akt der Barmherzigkeit sondern vielmehr ein Gewinn für die Schulen, erläuterte Mann. So komme es zu einem Einbeziehen des Lebenswissens auch von Kindern, die Hunger, Ohnmacht, Ungerechtigkeit, Missbrauch und Gewalt von klein auf erlebt hätten.

 

Ferner könne gute Arbeit in einer katholischen Schule nur mit Lehrkräften stattfinden, die nicht nur Fachexperten sind, sondern "für ihren Glauben und ihre Kinder brennen". Ebenso dürfe katholische Bildung und Erziehung nicht zwischen Mauern stattfinden, die die Lebenswirklichkeit ausblenden. Die Vielfalt des katholischen Schulwesens, die unterschiedlichen konkreten Wege, die Orden und Kongregationen sowie Diözesen im Bildungsbereich beschreiten, seien ein großer Schatz, berichtete Mann von der Ansprache des Papstes.