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02.12.2015
Generalaudienz auf dem Petersplatz

Papst bilanziert Afrikabesuch - Extreme Armut, beeindruckende Glaubenszeugnisse

Franziskus kritisiert großes Extrem zwischen Reichtum und Armut.

Als großen Schande und "Skandal für die Menschheit" hat Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch, 2. Dezember 2015 auf dem Petersplatz die in vielen Städten Seite an Seite existierenden krassen Extreme - großes Elend neben großem Reichtum - bezeichnet.

 

„Wie schön ist Afrika“

Der Papst bezog sich auf seinen Besuch im Slum Kangemi am Stadtrand von Nairobi, sagte aber, die Situation treffe nicht nur auf Afrika zu. Die sechstägige Afrikareise in drei Länder mit dem Höhepunkt der Vor-Eröffnung des "Heiligen Jahres der Barmherzigkeit" am Sonntag in Bangui (Zentralafrikanische Republik) war am Montag zu Ende gegangen. Seine Eindrücke seien stark, sagte Franziskus: "Wie schön ist Afrika!", rief er aus.

 

Kenia sei ein "Symbol der globalen Situation", so Franziskus. Es stehe für die Herausforderungen unserer Zeit: die Schöpfung zu schützen, das Entwicklungsmodell zu reformieren, damit es "gerecht, inklusiv und nachhaltig" sei.

 

Franziskus verwies auf seinen Besuch am Sitz des UN-Umweltbüros in Nairobi. Das Motto der Kenia-Reise, "Seid fest im Glauben, habt keine Angst" werde in dem ostafrikanischen Land von vielen einfachen Menschen "in adliger Würde" gelebt, so auch von jenen Studierenden, die am 2. April an der kenianischen Universität von Garissa bei einem Terroranschlag starben, "weil sie Christen waren".

 

Das Thema Martyrium sei dann beim Besuch an der ugandischen Märtyrergedenkstätte Namugongo im Mittelpunkt gestanden, rekapitulierte Franziskus. Bei einer Begegnung mit Katechisten habe er diesen für ihren Dienst gedankt. "Zeugnis" sei auch der aufopferungsvolle Dienst im Caritasheim von Nalukolongo und in vielen anderen Gemeinschaften, die sich um Arme und Kranke kümmerten; "Zeugnis" legten auch jene Jugendlichen in Uganda ab, die versuchten, nach dem Evangelium und nicht nach den Maßstäben der Welt zu leben; "Zeugnis" sei schließlich auch der Dienst der Priester und Ordensleute.

 

Christliches Engagement ist „Sauerteig“

Dieses christliche Engagement an vielen Orten sei "Sauerteig" für das ganze Land, sagte der Papst und nannte zwei Beispiele, in denen sich Uganda auszeichnet: der wirksame Kampf gegen Aids sowie der Umgang mit Flüchtlingen. Diesen hatte Franziskus an Ort und Stelle ausdrücklich als vorbildhaft gelobt.

 

Das Vorgehen gegen die Ausbreitung von Aids verzeichnete in Uganda über Jahre große Erfolge, und zwar über den von der Regierung betriebenen sogenannten "ABC-Ansatz" (Englisch für: abstain, Be faithful, use condoms), also Enthaltsamkeit, Treue und Kondome. Diese Kampagne machte Uganda zum afrikanischen Vorreiter in der Bekämpfung des Virus, auch wenn die Ansteckungsrate seit einigen Jahren wieder steigt.

 

Der Besuch in der Zentralafrikanischen Republik schließlich war dem Papst seinen Worten zufolge ein besonderes Anliegen. Weil sich das Land in einer schwierigen Situation aus Gewalt und Leid befinde, habe er beschlossen, dort die erste Heilige Pforte des "Jubiläums der Barmherzigkeit" zu öffnen: als "Zeichen des Glaubens und der Hoffnung für dieses Volk und symbolisch für alle afrikanischen Bevölkerungen, die am meisten der Erlösung und des Trostes bedürfen". Er habe in Zentralafrika sehr darauf insistiert, dass der Frieden im Gewissen, in der Haltung und in der Absicht jedes Einzelnen beginne, so der Papst. Dafür sei der Beitrag der Religion entscheidend, und so habe er die evangelische Gemeinde und die Moschee von Bangui besucht, wo er "das Gebet und den Einsatz für den Frieden geteilt" habe.

 

Beispiel einer Missionarin aus dem Kongo

Großes Lob zollte Papst Franziskus den Missionarinnen. In Bangui habe er eine italienische Ordensfrau getroffen, erzählte er bei der Generalaudienz: "81 Jahre, nicht viel älter als ich. Sie war mit einem Mädchen da, und das Kind nannte sie auf Italienisch: 'nonna' (Großmutter). Sie war dort, seit sie 23 oder 24 war. Das ganze Leben. ,Ich bin eigentlich nicht von hier, ich lebe im Kongo, aber ich bin mit diesem Mädchen im Kanu über den Fluss gekommen.' So sind die Missionare: mutig!" Er habe sie gefragt, "was tun Sie?", und ihre Antwort war: "Ich bin Apothekerin, und dann bin ich Hebamme geworden. Ich habe 3.280 Kinder zur Welt gebracht". Der Papst kommentierte: "Ein ganzes Leben für das Leben, für das Leben der anderen. Und so wie diese eine Schwester gibt es viele andere, so viele Schwestern, Ordensmänner und Priester, die ihr Leben verbrennen für die Verkündigung von Jesus. Es ist so schön, das zu sehen!"

 

Mission heiße nicht Proselytismus, erklärte der Papst erneut: "Diese Schwester erzählte mir, dass die Musliminnen zu ihnen kommen, weil sie wissen, dass die Schwestern gut zu ihnen sind und ihnen keine Unterweisung vortragen, um sie zu bekehren. Zeugnis! Das ist die große heroische Missionstätigkeit der Kirche, Jesus Christus mit dem Leben zu verkünden."