Der christliche Sozialverband "Kolping Österreich" begeht am 4. Dezember 2015 den 150. Todestag seines Gründers Adolph Kolping. Der 1813 bei Köln geborene "Gesellenvater" gehört zu den Wegbereitern einer Stärkung der sozialen Ausrichtung der kirchlichen und gesellschaftlichen Praxis. Unter dem Eindruck der Verelendung der Handwerksgesellen im Zuge von Industrialisierung und Kapitalisierung der Gesellschaft gründete Kolping 1849 den später nach ihm benannten Verband, der an den Rand gedrängten jungen Menschen Heimat auf Zeit und Perspektiven zur Lebensbewältigung bot. Kolping starb 1865 im Alter von 52 Jahren. 1991 wurde er seliggesprochen.
1852 reiste Kolping auch nach Österreich, wo er fünf Kolpingsfamilien - in Innsbruck, Salzburg, Steyr, Linz und Wien - gründete. Grundanliegen war und ist es, Arme dabei zu unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und gerade durch die Förderung und Forderung jedes Einzelnen die Entwicklung der Gesellschaft aktiv mitzugestalten.
Das Kolpingwerk hat sich zu einem modernen Sozialverband gewandelt, der in den traditionellen Kolpinghäusern für Lehrlinge, Schüler und Studenten, aber auch in modernen Sozialeinrichtungen, etwa für alleinerziehende Mütter, ältere und pflegebedürftige Menschen, von Gewalt betroffenen Frauen oder Menschen mit Behinderungen "Hilfe zur Selbsthilfe" bietet. Das Kolpingwerk ist inzwischen in 20 Ländern Europas mit insgesamt rund 330.000 Mitgliedern vertreten und hat beim Europarat Beobachterstatus. In Österreich gibt es 60 sogenannte "Kolpingsfamilien" mit rund 12.000 Mitgliedern.
Bereits Mitte Oktober hatte "Kolping Österreich" aus Anlass des 150. Todestages seines Gründer zu einem bundesweiten "Kolpingtag" nach Wien geladen. Dabei definierte Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, Freiheit und Empathie als Voraussetzung für mutiges solidarischen Handeln. Das Gegenteil solch einer mutigen Haltung sei das vorsichtige Nichts-Tun aus Angst, etwas Falsches zu machen - dies habe schon Dietrich Bonhoeffer als die "größere Sünde" bezeichnet, so Holztrattner.
Der Sozialexperte Martin Schenk wies auf eine weitere wichtige Grundlage für Mut und Courage hin: auf den "Grundstoff Vertrauen": Je mehr Menschen aufgrund ihrer Lebenserfahrung das Gefühl hätten, selbst in der Lage zu sein, etwas zu verändern, desto eher seien sie auch bereit, Verantwortung für sich und ihr Umfeld zu übernehmen und einen Beitrag zu leisten, die Armut in der Gesellschaft zu verringern.
Hubert Tintelott, ehemaliger Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes bezeichnete die weltweit mehr als 5.000 Kolpingsfamilien als "ideale Orte", um Freude und Leid zu teilen und Solidarität einzuüben: "Die Solidarität ist ein knappes Gut, umso besser, wenn wir sie fördern", so Tintelott.
Im Oktober tagte auch die Kolping-Bundeskonferenz in Wien. Dort wurde Christine Leopold in ihrem Amt als Präsidentin bestätigt. Seit nunmehr zehn Jahren führt die Sozialwirtin die Geschicke des österreichischen Kolpingverbandes.