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04.12.2015
Caritaspräsident in "Wiener Zeitung"

Landau: Hilfsbereitschaft trotz Terrorangst ungebrochen

Caritas-Präsident in "Wiener Zeitung"-Interview: Bei der Caritas haben sich zuletzt 14.000 Freiwillige gemeldet, die Schutzsuchenden helfen wollen.

Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen und auch die Spendenbereitschaft ist in Österreich trotz den nach den Pariser Anschlägen gestiegenen Ängsten ungebrochen. Das hat Caritas-Präsident Michael Landau in einem Interview für die Freitag-Ausgabe der "Wiener Zeitung", 4.12.2015, erklärt. Die aktuelle "fordernde Situation" bewege viele Menschen dazu zu sagen, dass es jetzt auf jeden Einzelnen ankommt. "Allein bei der Caritas haben sich in den vergangenen Wochen 14.000 Freiwillige gemeldet, die schutzsuchenden Menschen helfen wollen", teilte Landau mit.

 

„Kein entweder, oder sondern, ein sowohl als auch“

Zugleich unterstrich der Caritas-Präsident, dass man die Not der Flüchtlinge nicht gegen die Not bedürftiger Einheimischer ausspielen dürfe. Für diese gehe es um Themen wie leistbares Wohnen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Pflege und um einen verbesserten Zugang zu Bildung. Landau: "Es ist kein 'entweder oder', sondern ein 'sowohl als auch'." Diesen "Appell" richte er auch an alle politischen Parteien.

 

Zur Frage, ob unter den Flüchtlingen Terroristen sein könnten, sagte der Caritas-Präsident, es habe offenbar in ein, zwei Fällen Verdachtsmomente gegeben, die sich aber nicht erhärtet hätten. Er halte es durchaus für wichtig, "dass das Innenministerium hier ein Auge darauf hat". Gleichzeitig warne er davor, die Themen Flucht und Terrorismus zu vermischen. "Jene, die in Europa Angst und Terror verbreiten wollen, sind dieselben, vor denen die Flüchtlinge fliehen", so Landau. Und mit Kardinal Christoph Schönborn teile er die Einschätzung, "dass Terroristen nicht ihr Leben riskieren und in Schlauchbooten zu uns kommen".

 

Jeder hat Recht auf faires Verfahren

Klar sei, dass nicht jeder, der um Asyl ansucht, dieses auch erhalten kann. Allen stehe jedoch das Recht auf ein faires Verfahren zu, "damit diejenigen, die Schutz brauchen, auch Schutz finden". Aufgrund der aktuell vielen Flüchtlinge komme es an der ein oder anderen Stelle zu Verzögerungen, weiß Landau. Die Caritas stelle "mit zunehmender Sorge fest, dass es etwa in Traiskirchen nach wie vor Flüchtlinge gibt, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, und dass die Menschen zunehmend lange auf ein Erstinterview und medizinische Erstversorgung warten müssen". Angesichts des bevorstehenden Winters besteht hier nach den Worten Landaus dringender Handlungsbedarf.

 

Faire und qualitätsvollere Asylverfahren seien auch die richtige Antwort auf die Flüchtlingsströme. Zusätzlich notwendig seien mehr konkrete Hilfe in der Herkunftsregion der Flüchtlinge und eine "gemeinsame europäische Asylpolitik, die diesen Namen auch verdient". Landau forderte mehr Solidarität unter den EU-Mitgliedsstaaten und vergleichbare Verfahrensstandards ein. "Es gibt hier keine österreichische, keine deutsche oder griechische, sondern nur eine europäische Lösung." Auch Staaten wie die USA seien bei der Flüchtlingsaufnahme noch stärker in die Pflicht zu nehmen.

 

Die Politik sei auch gefordert, die Gewalt zu stoppen, betonte Landau. "Solange der Krieg im Nahen und Mittleren Osten tobt, solange die Menschen in der Region keine Sicherheit und keinen Schutz haben und solange der Waffenhandel floriert, solange werden Menschen flüchten."