Auf die Notwendigkeit gesicherten Faktenwissens über Gründe für Schwangerschaftsabbrüche hat Behindertenanwalt Erwin Buchinger hingewiesen. Dieses wäre für Prävention, Aufklärung und weitere gezielte Maßnahmen sehr wichtig, erklärte der ehemalige SP-Sozialminister am Donnerstag, 10. Dezember 2015 in einer Unterstützungserklärung der Bürgerinitiative "Fakten helfen!", die weiterhin online unterschrieben werden kann. Die von "Aktion Leben" gestartete Petition helfe, mehr über die Zusammenhänge zwischen Ängsten wegen Behinderungen und Schwangerschaftsabbrüchen zu erfahren, so der Behindertenanwalt.
Oft sei die Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch bei einer zu erwartenden Behinderung des Kindes "von den gesellschaftlich bestehenden Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderungen und von vielen Befürchtungen geprägt", vermutete Buchinger. Es sei nur verständlich, dass sich werdende Eltern intensiv mit der Bedeutung einer möglichen Behinderung ihres Kindes für dessen und ihr eigenes Leben auseinandersetzten. Dennoch mangle es aber am Ausbau von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für behinderte Menschen, insbesondere für Kinder. "Eltern erfahren dadurch oftmals zusätzliche Belastungen", kritisierte Buchinger.
Der Behindertenanwalt verwies auf einen eklatanten Widerspruch: "Wie passt es mit dem politischen und gesellschaftlichen Bekenntnis zu einer inklusiven Gesellschaft zusammen, in der Menschen mit Behinderungen selbstverständlich Platz haben, wenn am Beginn des Lebens Bedingungen geschaffen werden, die dieser Gesellschaft der Vielfalt widerstreiten?"
Österreich verfügt neben Luxemburg als europaweit einziges Land nicht über seriös erhobene Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen. "Wir wissen daher auch nicht, wie viele Schwangerschaftsabbrüche wegen einer möglichen Behinderung des Kindes nach Ablauf der Drei-Monats-Frist durchgeführt werden und wie viele Spätabbrüche es gibt", erklärte "Aktion Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler. Die Bürgerinitiative "Fakten helfen!" fordert von der Politik die Einführung einer anonymisierten Statistik und Motiverforschung über Abtreibungen.