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11.12.2015
Präsentation eines Dokuments im Vatikan

Vatikan will Dialog mit Juden verstärken

Dokument zu 50 Jahre "Nostra aetate": Dialog zwischen Katholiken und Juden "nicht Kür, sondern Pflicht“.

Der Vatikan hat sich für eine Intensivierung des Dialogs und der Zusammenarbeit von Juden und Christen ausgesprochen. Beide Religionen seien unwiderruflich aufeinander angewiesen, das Gespräch zwischen ihnen sei in theologischer Hinsicht "nicht Kür, sondern Pflicht", heißt es in einem am Donnerstag, 10. Dezember 2015 veröffentlichten Text zum 50. Jahrestag von "Nostra aetate", dem Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen.

 

Eine institutionell verankerte Judenmission kenne die katholische Kirche nicht, schreibt die Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Auch wenn Katholiken im Dialog mit dem Judentum Zeugnis für ihren Glauben an Jesus Christus ablegten, enthielten sie sich jedoch jeder Bemühung, sie aktiv zu bekehren oder zu missionieren.

 

Juden und Katholiken müssten sich im Dialog besser kennenlernen und die Schätze ihres gemeinsamen geistlichen Erbes entdecken und heben, heißt es in dem Dokument weiter. Sie sollten gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und die Versöhnung der Welt eintreten. Zudem müssten sie alle rassistische Diskriminierung gegenüber Juden und jeden Antisemitismus bekämpfen. Schließlich sollten beide Seiten im karitativen Bereich zur Linderung menschlicher Not zusammenarbeiten, und damit für eine bessere Welt eintreten.

 

Das Dokument wendet sich gegen die Vorstellung, der Bund Gottes mit dem jüdischen Volk sei aufgekündigt worden und auf die Kirche übergegangen, die das Gottesvolk Israel ersetzt habe. Der Neue Bund sei für Christen nicht die Aufhebung, sondern vielmehr die Erfüllung der Verheißung des Alten Bundes.

 

Bei dem 17-seitigen Papier handelt es sich nach vatikanischen Angaben nicht um eine offizielle Aussage des kirchlichen Lehramtes, sondern um "Überlegungen" der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum.

 

Kirche und Judentum könnten "nicht als zwei parallele Heilswege" dargestellt werden, heißt es. Aus dem christlichen Bekenntnis, dass es nur einen Heilsweg geben könne, folge in keiner Weise, dass die Juden von Gottes Heil ausgeschlossen seien, weil sie nicht an Jesus Christus als den Messias Israels und den Sohn Gottes glaubten. Vielmehr hätten sie "Anteil an Gottes Heil". Wie dies jedoch "ohne explizites Christusbekenntnis möglich sein kann, ist und bleibt ein abgrundtiefes Geheimnis Gottes", so das Dokument.