Katholische Pfarren und Gruppen sollten die von ihnen betreuten Flüchtlinge zur Krippenandacht einladen: Mit diesem Vorschlag hat sich Kardinal Christoph Schönborn an die Mitarbeiter der Erzdiözese Wien gewandt. Die zunehmend beliebte Feier am 24. Dezember sei "ideal für Neulinge zum Kennenlernen unseres Glaubens, zumal dann, wenn sie keine Eucharistiefeier und damit für Außenstehende niedrigschwellig ist". Man könne die Flüchtlinge so "in voller Achtung ihrer eigenen Glaubensüberzeugungen" an der Weihnachtsfreude der Christen teilhaben lassen, so der Erzbischof in einem Grußwort des Newsletters "Thema Kirche".
Ausdrücklich dankte Schönborn den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Einsatz im zu Ende gehenden Jahr. "So viele Tausende Menschen" seien auf ihrer Herbergsuche nach Österreich gekommen, und viele von ihnen hätten Aufnahme in kirchlichen Quartieren gefunden oder würden von Pfarren und anderen katholischen Gruppen betreut.
Gott sei "selber auf Herbergssuche", zog der Kardinal Parallelen zwischen der Flüchtlingssituation und dem Inhalt des Weihnachtsfestes. Angesichts der vielfach vorherrschenden Verunsicherung und der offenen Fragen, Nöte und Sorgen, die "die Welt an unsere Haustür trägt", gebe die Geburt und Gegenwart Christi eine "unzerstörbare Hoffnung".
"Wenn wir heuer zu Weihnachten vor der Krippe stehen, dann wollen wir ein Zeichen der Solidarität für alle setzen, die derzeit auf Herbergssuche sind", erklärte derweil der Innsbrucker Caritasdirektor Georg Schärmer am Freitag. Zusammen mit dem Krippenverband ruft die Tiroler Caritas dazu auf, neben der Weihnachtskrippe heuer auch eine kleine Spendenbox für die Caritas-Nothilfe in den Flüchtlingsunterkünften im Nahen Osten aufzustellen.
Die Krippen-Spendenbox kann bei der Tiroler Caritas bestellt werden (E-Mail: fluechtlingshilfe.caritas@dibk.at, Tel. 0676/8730-6331).
Während nur vier bis fünf Prozent der weltweiten Flüchtlingsströme nach Europa kämen, spiele sich die "eigentliche Katastrophe" anderswo ab, etwa in Syrien, im Irak, in Jordanien oder im Libanon, das gemessen an seiner Einwohnerzahl die meisten Vertriebenen aufgenommen habe, erinnerte Caritasdirektor Schärmer. Auf zwei Libanesen komme ein Flüchtling. In den Notquartieren herrschten desolate Lebensbedingungen: Genutzt würden Abfallmaterialien, modrige Kellerräume, Viehställe, Abbruchhäuser und "alles was vier Wände und ein Dach hat".
Die österreichische Caritas habe bisher 110.000 Menschen in Syrien und den Nachbarländern unterstützt. Man verteile warme Zelte als Unterkünfte, Lebensmittel, Hygieneartikel, Winterbekleidung, Matratzen, Decken, Heizmaterial und Medikamente. Außerdem organisiere die Hilfsorganisation in einem weiteren Schritt Bildungsmaßnahmen und psychologische Betreuung. "Helfen wir den Menschen, die Krieg, Verfolgung und Not gezwungen haben, aus ihrer Heimat zu fliehen. Lassen wir sie teilhaben an der weihnachtlichen Friedensbotschaft", appellierte Schärmer.