Für den Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, ist der Islam fixer Bestandteil der österreichischen Gesellschaft. "Unsere österreichischen muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gehören zu Österreich", betonte Kardinal Schönborn in den Zeitungen der "Regionalmedien Austria" am Samstag, 19. Dezember 2015. Schließlich gelte in Österreich die Religionsfreiheit. Derzeit leben rund 600.000 Muslime in Österreich, davon sind etwa 80 Prozent österreichische Staatsbürger.
Der Flüchtlingsstrom und die damit steigende Zahl an Muslimen ängstigt den Erzbischof nicht. "Wir haben schon dramatischere Krisen bewältigt." Österreich habe aus der Geschichte heraus die Chance, ein Modell-Land für eine funktionierende Integration zu sein. Den nötigen Background liefere, so der Kardinal, die Zeit vom 18. bis ins späte 19. Jahrhundert. "In der Habsburger-Monarchie hat das Miteinander verschiedener Kulturen und Glaubensgemeinschaften in dieser Zeit hervorragend funktioniert."
Und auch der Kirche schreibt Kardinal Schönborn bei der Integration von Flüchtlingen eine wichtige Rolle zu. "Der christliche Glaube besitzt eine starke integrative Kraft." Das zeige sich laut dem Kardinal besonders bei christlichen Flüchtlingen. Hier funktioniere die Integration allein aufgrund der Glaubensgemeinschaft hervorragend. Dasselbe gelte für den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Beispielgebend sei der intensive Dialog zwischen dem Iran und Österreich, der seit 20 Jahren auf verschiedenen Ebenen stattfinde.
1945 floh der Kardinal mit seiner Familie aus Böhmen nach Österreich. Diese Zeit habe ihn "sehr geprägt, und zwar ein Leben lang", so Kardinal Schönborn. Eines habe er dabei gelernt: "In der Notlage ist die Familie das sicherste Netzwerk." Sechs Jahre lang lebte er mit seiner Familie bei Verwandten, bis sie schließlich eine eigene erste Wohnung hatten. "Auch jetzt suchen viele Flüchtlinge bei Verwandten Schutz, die schon hier leben."
Angesprochen auf den oft beklagten Priestermangel antwortet Kardinal Schönborn differenziert: "Wir haben kaum Priestermangel in den Ballungsräumen, aber dafür am Land. Am Land erleben wir die Veränderung von der Dorf- zur Pendlerkultur. Das verändert das Dorf- und das Pfarrleben." Das kirchliche Leben verlagere sich zunehmend hin in geistlichen Zentren, zugleich werde die Kirche mobiler. Eine Chance sieht Schönborn in den Diakonen, jenen verheirateten Männer, die im Beruf stehen und sich kirchlich engagieren. "Sie werden das Bindeglied zwischen der traditionellen Pfarre mit ihrem Priester und der neuen mobilen Kirchengesellschaft sein."