In der früher christlich geprägten syrischen Stadt Aleppo hält die armenisch-katholische Ordenskommunität "Gemeinschaft Jesu und Mariens" mit Schwester Annie Demerjian an der Spitze die Stellung und vermittelt den verbliebenen Christen eine Spur von Weihnachtsfreude mitten im fünften Kriegswinter: Das berichtet das Hilfswerk "Kirche in Not" Österreich am Montag, 21. Dezember 2015 in einer Aussendung.
Gemeinsam mit den Mitschwestern versuche Sr. Demerjian, die verbliebenen Mitglieder der armenisch-katholischen Gemeinde mit Kleidung, Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Regierung und Rebellen lieferten sich seit 2011 einen erbitterten Kampf um Aleppo. In der einst wohlhabenden Handelsmetropole im Norden Syriens komme es immer wieder zu Gefechten. "Vor zwei Tagen schlugen Raketen in unserer unmittelbaren Nähe ein. Sechs Menschen wurden getötet. Keiner weiß, ob man lebend heimkommt, wenn man das Haus verlässt", berichtete Demerjian.
Hunderttausende Christen hätten vor Beginn des Krieges in Aleppo gelebt, heute seien es wenige zehntausend. Die Stadt sei ein Trümmerfeld. "Das Leben bei uns ist sehr hart. Strom und Wasser gibt es oft tagelang nicht. Jetzt im Winter ist es bitterkalt. Kürzlich habe ich eine Familie besucht: Eltern und Kinder hausten weiterhin in ihrer Wohnung, obwohl sie von Raketen schwer beschädigt war", so die Ordensfrau.
Sie tue auch in diesem Jahr ihr Möglichstes, um den Gemeindemitgliedern ein frohes Weihnachtsfest zu bereiten. "Wir teilen Hosen, Pullover und Jacken aus. Das brauchen die Menschen am dringendsten."
Die Vorbereitungen hätten schon im September begonnen: "Wir haben christliche Schneider in Aleppo mit der Herstellung beauftragt. Sie sind so dankbar, dass sie endlich wieder Arbeit haben und damit ihre Familien ernähren können." Gut 12.000 Kleidungsstücke seien auf diese Weise zusammengekommen. Die Ordensfrau ist zufrieden. "Jetzt können wir vielen Menschen zu Weihnachten eine kleine Freude machen."
Trotz der eigenen Schwierigkeiten denke die Gemeinde auch an andere Notleidende. So seien Kleidungstücke nach Al-Hasaka transportiert worden, das über fünf Autostunden von Aleppo entfernt liegt. Das Vorrücken der islamistischen Milizen hätte die Aktion fast verhindert. "Der IS hat das Gebiet zwischen Aleppo und Al-Hasaka erobert und uns den Weg abgeschnitten", berichtete die Schwester. Alles habe umgepackt und per Flugzeug geschickt werden müssen, nun sei es wohlbehalten angekommen.
Das weltweite katholische Hilfswerk "Kirche in Not" unterstützt die Arbeit Schwester Annie Demerjians seit Jahren. "Wir sind unseren Wohltätern so dankbar. Wir beten für sie. Die Menschen sind tief bewegt, wenn sie hören, von wem die Gaben stammen", wird sie in der Aussendung zitiert.