Angesichts anhaltender Flüchtlingsströme mahnt Kardinal Christoph Schönborn die europäischen Staaten zur Solidarität: "Es kann nicht sein, dass einige Länder ihre Grenzen dicht machen und andere ein Übermaß an Flüchtlingen zu verkraften haben. Hier ist Europa und die europäische Solidarität gefordert", sagte der Wiener Erzbischof am 24. Dezember 2015 im ORF-Fernsehen im Rahmen der Initiative "Licht ins Dunkel". Das Problem sei "nur gemeinsam lösbar" - wenn dies nicht gelinge, drohe der "gesellschaftliche Riss" sich zu vertiefen, der angesichts anhaltender Flüchtlingsströme Europa teile. Es brauche eine neue europäische Solidarität: "Nachdenkliche Menschen auf allen Seiten müssen sich zusammentun. Nur so werden wir die Krise meistern".
Die "Hoffnung auf Frieden" bestehe weiterhin, so Kardinal Schönborn, jedoch müsse dafür auch entsprechend etwas getan werden: "Wenn Waffen in Kriegsgebiete geliefert werden, wenn Bomben geworfen werden, dann wird auch der Strom an Flüchtlingen nicht aufhören". Zugleich mahnte Kardinal Schönborn auch die österreichische Politik zu Weitsicht: "Wenn die Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit gekürzt statt erhöht werden, darf man sich nicht wundern, wenn Menschen die Flucht aus ihren Ländern antreten".
Kardinal Schönborn zeigte sich abschließend zuversichtlich, dass Europa die Flüchtlingskrise meistern werde: So erinnerte er etwa an die Millionen Flüchtlinge nach 1945. Auch wenn die Situation heute nicht direkt vergleichbar ist mit der historischen Situation nach 1945, so lehre der historische Blick doch, dass Flüchtlingsströme für eine Gesellschaft verkraftbar sind: "Wir haben schon andere Krisen gemeistert und werden auch diese schaffen". Europa und auch Österreich werde sich unweigerlich verändern - aber dies könne durchaus auch einen Gewinn für die jeweiligen Gesellschaften darstellen: "Was würden wir in unserem Sozialstaat machen ohne die vielen Migranten, die bei uns gut integriert sind?"