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07.01.2016
Wasserweihe am 6. Jänner

Wien: Orthodoxe Christen feierten Große Wasserweihe

Metropolit Arsenios leitete Festgottesdienst in orthodoxer Dreifaltigkeitskatedrale und Liturgie am Donaukanal zum Fest Epiphanie.

Die orthodoxen Christen haben am 6. Jänner, dem Fest Epiphanie, in Wien die Große Wasserweihe gefeiert. Höhepunkt des von Psalmen, Bibellesung und Gebet getragenen Wortgottesdienstes am Wiener Donaukanal - bei dem insbesondere auch der verfolgten Christen des Nahen Ostens gedacht wurde - war das dreimalige Untertauchen eines kunstvollen Holzkreuzes durch Metropolit Arsenios (Kardamakis). Mit dem Kreuz wurden der Donaukanal und alle Gewässer, die Anwesenden und die ganze Stadt Wien gesegnet. "Ich wünsche unserer Stadt und unserem Land Frieden und Segen", sagte der Metropolit. An der Wasserweihe und dem vorangegangenen Gottesdienst in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale nahm u.a. auch der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics teil.

 

„Christus hat Licht in die Welt gebracht“

Epiphanie sei das "einschneidenste Ereignis im Lauf der Geschichte": Die Erscheinung Gottes in der Welt. Das betonte der griechisch-orthodoxde Metropolit bei der Festliturgie in der Dreifaltigkeitskathedrale am Wiener Fleischmarkt. Das Fest Epiphanie bedeute, dass die Form der Beziehung des Menschen zu Gott neu gestaltet wurde, es sei nun die Beziehung "von Kindern zu einem liebenden Vater", so der orthodoxe Metropolit. Die Welt sei dunkel gewesen, Jesus Christus habe Licht in diese Welt gebracht. Wer Christus nachfolge, der das "Licht der Welt" sei, werde nicht in Finsternis wandeln. Christus habe dem Menschen eine neue Bestimmung zugewiesen, die verloren gegangene Gottähnlichkeit des Menschen sei durch Tod und Auferstehung Jesu wiederhergestellt worden.

 

Es sei nicht grundlos, dass die Feste der Geburt des Erlösers und der Taufe Jesu im Jordan so nahe beieinander stehen: Am 24. Dezember gehe es um die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens, dass Gott Mensch wird, am 6. Jänner um die Erneuerung der ganzen Schöpfung, die dem Menschen anvertraut ist. Die drei zentralen Aspekte des Epiphanie-Festes seien die Erlösung des Menschen, die Miteinbeziehung der Schöpfung und die Offenbarung Jesu als "geliebter Sohn des Vaters".

 

Durch die Anwesenheit des Eisenstädter Diözesanbischofs Ägidius Zsifkovics erhielt der Gottesdienst einen starken ökumenischen Aspekt. Metropolit Arsenios sagte in seiner Predigt: "Ich freue mich, dass wir gemeinsam dieses Fest feiern. Noch wissen wir nicht, wohin uns der Geist Gottes führen will, aber wir müssen aufmerksam auf ihn hören".

 

Der Eisenstädter Bischof bezeichnete es als "große Ehre", mit den orthodoxen Christen feiern zu können. Es sei die gemeinsame Aufgabe, den Geist Jesu in einer "oft geist-losen Welt" zu bezeugen. Dazu seien alle Christen durch die Taufe aufgerufen, so Zsifkovics in seinen Worten an die orthodoxen Gläubigen. Wörtlich meinte der Bischof: "Tauchen wir als Christen nicht unter, tauchen wir auf und beseelen wir diese Welt". Am 6. Februar wird erstmals auch im Burgenland eine Große Wasserweihe mit Metropolit Arsenios und Bischof Zsifkovics stattfinden.

 

Zehnte Wasserweihe in Wien

In Wien wird die Große Wasserweihe seit dem Jahr 2007 alljährlich am 6. Jänner gefeiert. Der orthodoxe Segensgottesdienst ist mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil des religiösen Brauchtums in der Bundeshauptstadt geworden. Historisch geht die Große Wasserweihe auf die Praxis der frühen Kirche zurück, wobei man immer davon ausging, dass durch die Taufe Jesu im Jordan nicht nur das Wasser dieses Flusses, sondern alle Flüsse gesegnet wurden. Daraus resultiert die Überzeugung, dass mit der Großen Wasserweihe die ganze Natur und Schöpfung geweiht wird.

 

An den Feierlichkeiten beteiligten sich all jene orthodoxen Kirchen, die wie die Westkirchen dem Gregorianischen Kalender folgen; so die orthodoxen Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien und Finnland. Das Weihnachtsfest feierten sie wie im Westen am 24./25. Dezember. Demgegenüber feiern etwa Serben und Russen das Fest noch nach dem östlichen (Julianischen) Kalender. Dieser hinkt seit der Kalenderreform des Jahres 1582 dem damals eingeführten westlichen Gregorianischen Kalender 13 Tage hinterher. Die orthodoxen Weihnachtsgottesdienste finden demnach am 6. Jänner (Heiliger Abend) und 7. Jänner (Christtag) statt.