Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit feiert 2016 sein 60-jähriges Bestehen. Er ist seit 1956 im Aufbau des gegenseitigen Vertrauens zwischen Christen und Juden tätig. Das in Österreich einzigartige Forum aus Christen verschiedener Konfession und Vertretern der jüdischen Gemeinden unterstützt und begleitet die Kirchen u.a. durch Impulse für die Bildungsarbeit in Pfarrgemeinden und kirchliche Strukturen. Ziel ist es, festgefahrene Vorurteile und Feindbilder zu überwinden, alternative Modelle für den Umgang mit Konflikten anzubieten und die Gesprächs- und Streitkultur zwischen den Religionen sicherzustellen.
Im Frühjahr 1956 beschloss das Präsidium der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" auf Anregung von Kardinal Franz König, sich in einem Arbeitskreis dem christlich-jüdischen Verhältnis und der Bekämpfung des Antisemitismus zu widmen. Daraufhin hielt der Judaist Prof. Kurt Schubert im Rahmen dieser Arbeit am 18. Oktober 1956 ein Grundsatzreferat und präsentierte sieben Thesen zur christlich-jüdischen Zusammenarbeit. Das war das Gründungsdatum des Koordinierungsausschusses - zunächst eben als Arbeitskreis von "Pax Christi". Als eigenständiger und ökumenisch getragener Verein konstituierte sich der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 12. Februar 1965.
Seit 1990 ist der Koordinierungsausschuss auch Träger des "Christlich-jüdischen Informationszentrums", das 1967 im Auftrag der Sionsschwestern von Sr. Hedwig Wahle gegründet worden ist. Ausschuss und Informationszentrum haben ihren Sitz seit 2009 in der Leopoldstadt, dem historischen Zentrum jüdischen Lebens in Wien. Das Herzstück der Räumlichkeiten ist die umfangreiche Bibliothek. Verfügbar sind mehr als 6.000 Werke zum christlich-jüdischen Dialog, zur Aufarbeitung christlicher Judenfeindschaft sowie über den jüdischen Glauben und die jüdische Kultur. Spezielle Angebote gibt es für Schule und Erwachsenenbildung.
An den handelnden Personen wird das konfessions- und religionsverbindende Profil des Koordinierungsausschusses deutlich: Präsident des Koordinierungsausschusses ist der katholische Theologe Prof. Martin Jäggle. Als Vizepräsidenten fungieren der frühere methodistische Superintendent Helmut Nausner und Willy Weisz von der Israelitischen Kultusgemeinde. Geschäftsführerin ist Sarah Egger. Sie ist Jüdin und hat u.a. evangelische Theologie studiert. Egger folgte in ihrer Funktion als Geschäftsführerin vor Kurzem auf Markus Himmelbauer, der über 19 Jahre die Geschicke der Koordinierungsstelle maßgeblich leitete.
Die Bestellung der 23-jährigen Egger zur neuen Geschäftsführerin steht programmatisch dafür, dass der Koordinierungsausschuss künftig auch verstärkt Jüngere ansprechen und in den christlich-jüdischen Dialog einbeziehen bzw. dafür begeistern will. Das soll u.a. auch schon beim Programm zu Jubiläumsjahr 2016 deutlich werden.
Der Reigen der Jubiläumsveranstaltungen 2016 wird einem Vortrag von Prof. Hans Hermann Henrix am 12. Jänner in Wien eröffnet. Der Aachener Experte für den christlich-jüdischen Dialog war von 2003 bis 2014 Konsultor der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum beim Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen". Er wird in seinem Vortrag an der Katholisch Theologischen Fakultät der Universität Wien über aktuelle Herausforderungen im christlich-jüdischen Dialog sprechen. (Katholisch-Theologische Fakultät, Schenkenstraße 8-10, 1010 Wien, 19 Uhr).
Im Jubiläumsjahr ist u.a. eine eigene Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Christen und Juden im Gespräch - Bilanz und Aussicht" geplant. Dabei werden u.a. Perspektiven und Schwierigkeiten jüdischer Jugendlicher thematisiert, oder wie sich der christlich-jüdische Dialog aus Sicht jüdischer Gemeinden darstellt. (Termine am 16. März, 17. oder 18. Mai, 15. September, 17. November; Ort: Koordinierungsausschuss bzw. Christlich-jüdisches Informationszentrums", Tamandlgasse 5/2-4, 1020).
Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet eine Festveranstaltung am 15. November im Kardinal König Haus mit dem Präsidenten des "Internationalen Rates der Christen und Juden" Philip Cunnignham. Noch stehen nicht alle Termine im Detail fest. Alle Infos finden sich so bald wie möglich auf der Website des Koordinierungsausschusse: www.christenundjuden.org.